Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- L. K. Berlin
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 253 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 2ö3 stimmungen die Ausführung der zwerchfellerschütternden „Eheaffaire Seligmann und Taußig" wegen ihrer übergroßen Lustigkeit verbieten, einen künstlerischen Ersah bieten würde, wie er ihn im Interesse feines Publikums glänzender nicht finden konnte." — Mehr kann man von einem „ollen ehrlichen" Antisemiten nicht verlangen! O. L. Berlin. Die Geschäftsstelle der „Staatsbürger-Ztg." macht bekannt, daß die bisher für einen nothleidenden Mitbegründer des „Deutschen Antisemitenbundes" eingegangenen Zuwendungen noch nicht ausreichen, ihn aus „jüdischem Druck" zu befreien. Wie ein so eifriger Antisemit es über sich gewinnen konnte, sich unter jüdischen Druck zu begeben, oder ein Jude, sich mit einem Begründer des D. A. B. in geschäftliche Beziehungen einzulaffen, scheint unverständlich. — Die Erörterungen des Bruhn'schen Organs über den Judeneid zeigen deutlich, daß sich dasselbe langsam rückwärts concentriert. Daß es sich auf eine Aeußerung des Grafen Moltke in einer Jugendarbeit über Polen bezieht, von der ihmbekannt ist, daß der große Stratege selbst eine neue Auflage nur unter der Bedingung der Streichung jener Aeußerung zuließ, ist allerdings echt antisemitisch. Ebenso charakteristisch ist die Verdrehung der Aeußerung des hessischen Amtsrichers, der, ebenso wie der preußische Landgerichtspräsident von Kunowski, nur den Juden nachrühmte, cs mit Eidesleistungen sehr ernst zu nehmen, Meineide und Falscheide zu scheuen, keineswegs aber jagte, daß die eidliche Aussage eines Juden zuverlässiger sei als die der Angehörigen von anderen Religionen. Mit dieser falschen Behauptung will das Blatt es rechtfertigen, „daß von christlicher Seite dagegen eine Abwehr erfolgte und zwar unter Hinweis auf den Eid der Juden, dessen Leichtfertigkeit kennen zu lernen man mindestens in früheren Jahrzehnten Gelegenheit genug hatte." P. C. Berlin. An die Mitthcilung, daß dem Reichstage eine Eingabe zahlreicher, meist jüdischer Aerzte um Gestattung der Verbrennung von Pestleichen in Deutschland zugegangen sei, knüpfte das Antisemitenblatt die geistreiche Frage, warum die Petenten nicht lieber vorgeschlazen hätten, die Pestkranken gleich bei ihrer Erkrankung zu verbrennen. Offenbar unterblieb dies doch nur deshalb, weil den jüdischen Aerzten die Denkweise fern liegt, welche um schnöden Geldgewinn die „antisemitische Pest" verbreiten und für die von dieser Pest Unberührten ein Auto da fe veranstalten möchte. E. M. Magdeburg. Wenn der Magistrat in Neuwarp verfügt, daß der dortige diesjährige Frühjahrs-, Kram-, Vieh- und Pferdemarkt des jüdischen Feiertages wegen vom 23. aus den 30. April d. I-