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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 249

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Wien
Date
1902-04-01
Page
249 (sequence 2)
Language
German
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Lereinsnachrichten. 249 Hruska zeigte überhaupt keine Verletzung. Die Mattigkeit der Theresia Jedlicska dürfte lediglich eine Folge der eingebildeten Blutabzapfung sein; woher die Verletzungen stammen, ist bis jetzt nicht aufgeklärt. Da die Mädchen bei der zweiten Vernehmung behaupteten, Herr Kraus bewahre in seiner Wohnung ein mit Blut gefülltes Fläschchen, aus dem er täglich einen Theil in die Suppe gieße, wurde ein Polizeiagent sofort in die Krausssche Wohnung gesandt, um das Fläschchen zu holen. Es war ein Fläschchen Maggi's Fleischextrakt. Nach dem Verhöre wurden die Mädchen wieder entlassen, jedoch unter Kontrolle gestellt. Nach dem ärztlichen Gutachten könnte es sich bei der Jedlicska um eine Wahnvorstellung handeln, da sie zur Zeit ihrer angeblichen Verletzung unwohl war und an Influenza litt. Wie nachträglich bekannt wurde, ist die Auguste Hruska aus der Wohnung des Kraus durch einen jungen Burschen zu einer auf der Straße wartenden elegant gekleideten Dame und einem Herrn geholt worden, in dem man den antisemitischen Gemeinderath Schwer zu erkennen glaubte. Die Polizei führt die Untersuchung in der Richtung fort, ob bei den Mädchen eine Selbsttäuschung vorhanden sei, oder ob sie angeftiftet seien; außerdem ist gegen sie die strafgcrichtliche Untersuchung wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung durch Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Religionszenossenschaften u. dgl. eingcleitet. Beide Mädchen stammen aus Südböhmen, was die Prager „Bchemia" zur nachstehenden Aeußcrung veranläßt: ,,Der czechische Theil Südböhmens ist außerordentlich antisemitisch verhetzt und weite Kreise der czechischen Bevölkerung glauben fest an das Ritualmordmärchcn, um dessen Verbreitung sich besonders die czechische Presse verdient gemacht hat. Unter den Juden im czechischen Theil Südböhmens erregt die ganze Affaire nicht geringe Bestürzung, da die begründete Besorgniß besteht, daß sich die czechisch-nationale Presse der Affaire bemächtigen und durch ihre hetzcrische Schreibweise Erceffe Hervorrufen werde." «LH Vereinsnachrichlen. Die am 27. März im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstraße 9, abgehaltene Centralvereins-Dersammlung war wiederum sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz, eröffnete die Versammlung und ertheilte sodann Herrn Rabbiner Dr. Weiße das

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