Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Marburg
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
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244 Im deutschen Reich. Bismarck'scheu Wirthschaftspolitik vorhanden waren. Der deutsche Bauer kann aber verlangen, ernst genommen zu werden. Brentano will ihn opfern, weil es einem Paar ausländischen Juden so gefällt! Wir haben es jetzt eben erst erlebt bei den Zolltarifkommissionssitzungen, daß ein deutscher Regierungsvertreter (Staatssekretär Freiherr von Richthofen!) lieber für den italienischen Bauern sorgt als für den deutschen. Was man mit einem solchen Gehcimrath im wilden Westen Amerikas machen würde, weiß ich, will es aber nicht sagen." Schließlich griff Redner noch den Freisinn an, der weder deutsch — noch freiheitlich — aber sinnlich sei, wobei die abgedroschenen Witze auf die „jüdische Presse", auf die Herrn Blev unsympathischen Jüdinnen rc. herhalten mußten. Man sollte den Freisinn bezeichnen als mosaisch — frech — sinnliche Partei. Eine kurze Kritik versuchte der Redner dann auch am Handelsvertragsverein, den er mit einer Wiese verglich, die von dem Abfluß aus verjudeten Städten berieselt werde. Der pathetische Schluß kennzeichnete noch einmal den Standpunkt, daß nur die Industrie Handelsverträge brauche, daß er die Wahlen unter der Zollparole mit Freuden begrüße. Natürlich fehlte es der Rede nicht an brausendem Beifall." — (Wir erbitten Mittheilungen darüber, wer und was dieser Agitator Blev eigentlich ist, von dem überall, wo er auf tritt, Keckheit und Unwissenheit, die selbst unter den bezahlten Bundesrednern auffällt, berichtet wird. Die Red.) * Hamburg, 1. April. Der Central-Verein erlitt durch das plötzliche Hinscheiden eines hochbegabten Vorstandsmitgliedes der Hamburger Ortsgruppe einen herben Verlust. Am 28. März' ist Dr. med. M. Piza in Hamburg im besten Maunesaltcr arn Herz, schlage aus dem Leben geschieden. Im Jahre 1852 in Varel als Sohn des spätem Chefredakteurs der „Reform" geboren, kam M. Piza als Kind nach Hamburg, wo er seinen ersten Unterricht erhielt. Später hat er in Tübingen und Leipzig studiert und schon von Tübingen aus, wo er als „Borusse" aktiv war, als blutjunger Student sich im Kriege von 1870/71 insofern betheiligt, als er einen Bahnzug mit Liebesgaben nach Frankreich begleitete und dort in Lazaretten thätig war. In Hamburg, wo er sich nach beendigtem Studium als Arzt niederließ, erwarb er sich bald einen vorzüglichen Ruf, wurde mit der Zeit Mitglied der Aerztekammer, in den letzten Jahren ihr Vorstandsmitglied und als Vertreter der Aerzte häufig zum deutschen Aerztetage entsandt. Viele gemeinnützigen Vereine, darunter auch unsere Hamburger Central-Vereins-Ortsgruppe, rechneten ihn ebenfalls zu ihren Vorstandsmitgliedern, und in solcher Eigenschaft hatte der in