Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Pasewalk
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Im deutschen Reich. Walker Versammlung der zweite Vortrag betitelt: Deutsche Heimath und Weltpolitik „mit Berücksichtigung des Burenkrieges", während im Prenzlauer Inserat von dem Burenkriege nichts erwähnt ist. Auch das geschah nicht ohne Absicht. Unsere braven Pasewalker haben nämlich in ihrer Sympathie für das tapfere kleine Völklein in Südafrika Geldsammlungen für die Buren mit gutein Erfolge veranstaltet. Davon haben die Antisemitenapostel gehört und flugs waren sie dabei, die edlen Regungen unserer Bürgerschaft für ihre Zwecke auszubeuten. Aber all die schlauen Kniffe fruchteten hier nichts. Die Versammlung war schlecht besucht; von den deutschen Frauen, die frenndlichst eingeladen waren, waren drei erschienen, für die einer der Redner, Herr Kammer-Berlin, eine große Begrüßungsrede hielt. Die Vorträge beider Apostel waren voll Widersprüche, so daß es den hiesigen Herren Krämer, Treyer und Matzdorf in der Debatte mit Leichtigkeit gelang, die antisemitischen Redner zu widerlegen und in die Enge zu treiben. Viele verließen die Versammlung mit dem Gefühle, daß es sich bloß um einen Abonnentensang für die Staatsbürger Zeitungeg handelt hat, die mehrfach feilgeboten wurde. H Ostrowo, 5. April. Der Oekonomicrath David Goldstein wurde hier zum Magistratsmitgliede gewählt. Dem hiesigen Magistrat gehören nunmehr zwei jüdische Stadträthe an. < Korrih, IG. April. In der Rächt zum 5. April drang ein Unbefugter in die Svnagoge ein und richtete allerlei Unfug an. Fußspuren deuten daraufhin, daß nur ein Thäter in Betracht kommen kann, der seinen Eingang über den Zaun des benachbarten Grundstücks von der Rähmestraße her genommen hat. Aus der Laube des Pätzold'fchen Grundstücks hat er einen Tisch benutzt und von der südlichen Seite aus in die Synagoge einzusteigen versucht. Da ihm das nicht gelungen ist, hat er die Hauptthür des Gotteshauses erbrochen und dann die Schränke innerhalb des Hauses gewaltsam geöffnet und durchsucht, außer den heiligen Gerathen aber nichts gefunden. An dem Sitze des Rabbiners hat er dann eine Sachbeschädigung vorgenommen. Entwendet hat der Ein« brecher nichts. Eine Commission, bestehend aus dem ersten Staatsanwalt Schweigger, dem Bürgermeister Deditius und dem Polizei» Commiffar Kleinert, war gestern zur Feststellung des Tatbestandes auf dem Synagogengrundstück. Die „Ostdeutsche Tageszeitung" berichtet: „Am 12. v. M. drang ein Gerücht §us Schlochau herüber, daß dort ein Dienstmädchen, das bei einer jüdischen Herrschaft gedient habe, plötzlich spurlos verschwunden sei. Bald rief mmn's denn auch auf allen Gassen aus: In Schlochau war ein Dienstmädchen abgeschlächtet