Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Neu-Ruppin
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 241 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 241 die bösen Freisinnigen und Sozialdemokraten, donnerte dann gewaltig gegen die Juden, von denen er wünschte, daß sie ans dem Lande gejagt würden. Der zweite Redner, Redakteur Kammer ans Berlin', ging gleich aus den eigentlichen Zweck der Versammlung, den Abonnentenfang für das „Deutsche Volksblatt", ein. Der Erfolg dürfte ein sehr trauriger gewesen sein. Nachdem Herr Krasemann einige Angriffe des ersten antisemitischen Redners auf die Sozialdemokratie zurückgewiesen, ergriff Herr Sauer-Berlin das Wort, um einige Angriffe auf die freisinnige Partei zurückzuweisen. Nach weiteren Ergüssen der antisemitischen Herren, die bei der herrschenden Unruhe unverständlich blieben, wurde die Versammlung geschlossen." > Strehlen i. Schl., 12. April. In dem Anzeigentheil der heutigen „Strehlener Zeitung" wird Folgendes veröffentlicht: „In der Strafsache gegen 1. den Landbriesträger Earl Frödrich, 2. den Gärtner Friedrich Mandel, aus Strehlen, 3. 4. pp. wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Strehlen am 12. April 1902 für Recht erkannt: Die Angeklagten Landbriefträger Earl Frödrich und Gärtner Friedrich Mandel — pp. — aus Strehlen sind der Beleidigung, und zwar Frödrich und Mandel der öffentlichen, schuldig und werden verurtheilt Frödrich und Mandel jeder zu 1* — achtzehn — Mark Geldstrafe, im Unvermögensfalle zu je 6 — sechs — Tagen Gefängniß. — pp. — Die Kosten des Verfahrens werden — pp. die übrigen den drei Verurlheilten auferlegt. Dem Eantor Salomon Simsohn zu Strehlen wird die Befuzniß Zugesprochen, die Verurtheilung der Angeklagten Frödrich und Mandel binnen einem Monat nach Mitteilung der Rechtskraft des Urtheils einmal in der Strehlener Zeitung auf Kosten dieser Angeklagten zu veröffentlichen. —- Schwerdtfeger, Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts." < Pasewalk, 15. April. Die Sendlinge der Staatsbürger- Zeitung, die seit einiger Zeit auf einer Abonnentenfangreise sich befinden, haben am 11. April auch uns besucht. Daß Pasewalk keinen günstigen Beden für die Giftpflanze des Antisemitismus abgiebt, haben sie wahrscheinlich schon in Berlin erfahren. Aus dem Grunde war auch ihr Auftreten hier ein sehr zahmes. Ein Vergleich der beiden Einladungs-Inserate zu den Versammlungen in Prcnzlau und Pasewalk zeigt dies. Wahrend in Prenzlau die Versammlung als große öffentliche antisemitische angekündigt wurde, war hier das Wort „antisemitische" weggelaffen. Um recht viele Zuhörer nach dem Versamnrlungslokal zu locken, wurde in den Einladungen zur Pase-