Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 225 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316693--09445-2329514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 225 Umschatt. eine Anfrage ans Altona-Ottensen bezüglich der Abkunft der Gemahlin des Reichskanzlers erwiderte dieser Tage die Redaktion der „Staatsbürger-Ztg." in einer Brieskasten-Netiz, die Gräfin Bülow sei Katholikin und sähe als Italienerin natürlich südländisch, aber keineswegs jüdisch aus. Daran knüpft das Antisemitenblatt die zu> treffende Bemerkung: „Allzuviel Judenriecherei ist vomUebel", zutreffend für die judenfeindliche Presse, die jeden, dem sie etwas anhängen will, ohne weiteres zum Juden macht, aber auch zutreffend für jene jüdischen Schriftsteller, welche znweilen nur ans einen alttestamentlichen oder auch nur bei den Juden häufiger vorkemmendeu Namen hin bedeu:ende Menschen als Glaubensgenossen erklären, wenn diese sich auch längst von dem Glauben der Väter los.-cmgt oder ihn nie bekannt haben. Wenn aber eine so richtige Warnung vor „allzuviel Judcnriccherei" von einem Blatte ausgcht, das sie Hefter svstematijch betrieben und ibren Anhängern eingeimpst ftat, macht sie einen ergenthümlicben Eindruck, um so meftr, wenn sie zwei Tage nach einer Auszählung einer Anzahl von Mitgliedern des Mannheimer Bürgerausschusses erfolgt, von denen das Blatt behauptet, daß sie „sämmtlich deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" seien. „Man kann schon," heißt es dann weiter, „man verzeihe, uns den Ausdruck, von einer UeberparitäL reden." Weit eher wäre aber wohl der Ausdruck „Ueber-Judenriecherei" verzeihlich, wenn dasselbe Blatt rie noue Berliner Handelskammer „eine neue Judenhochburg" nennt, es als Mißverhältniß bezeichnet, daß nach ihrer nicht eben korrekten Ausstellung in dieser Handelskammer unter 36 Mitgliedern nicht weniger als 25 Juden säßen, denen sie mit echt antisemitischer Dreistigkeit die Fähigkeit abspricht, „die im deutschen Volke althergebrachten Grundsätze von Treu und Glauben zu berücksichtigen". Daß eine derartige Beleidigung anerkannter Ehrenmänner jüdischen Glaubens, die sicher bcffere Deutsche