Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Wien
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 176 (sequence 2)
- Language
- German
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l7ö Im deutschen Reichwurde, damals erst in strafrechtlicher Untersuchung stand und seine Unschuld betheuerte. Es ist unwahr, daß die Oesterreichisch- Israelitische Union angeblich nach dem Muster der Juden in Deutschland eine Millionensammlnng für einen geständigen jüdischen Mordbuben aufzubringen gedachte. Es ist unwahr, daß das im „Deutschen Volksblatt" vom 4. Februar 1900 veröffentlichte und nunmehr neuerdings abgedruckte „vertrauliche Eircular", aus welchem diese Behauptung abgeleitet wird, von der Oesterrcichrsch - Israelitischen Union ausging. Wahr ist vielmehr, daß ein solcher Aufruf oder ein solches Eirknlar von der Oesterreichisch-Israelitischen Union niemals beschlossen, an niemanden versendet, noch sonstwie zu Geldsammlungen benützt worden ist, und daß das „Deutsche Volkoblatt" schon am f>. Februar 1900 eine diesbezügliche Erklärung des Vorstandes der Oesterreichisch - Israelitischen Union veröffentlicht hat. Wien, am 22. Februar 1902. I)r. Oskar Hein, in Vertretung des Vorstandes der Oesterreichisch-Israelitischen Union." — Dazu bemerkt das Antisemiten-Blatt: „Wir erklären hiermit nochmals, daß wir alle unsere Behauptungen aufrechthalten und für die Wahrheit derselben im Gerichtssaale einstehen." — Die Gelegenheit dazu wird der „Schriftleitung des Vollsblalls" durch die Oesterreichisch- Jsraelitische Union zweifellos geboten werden! Unser Leitartikel im Februarhcft „Antisemitismus in der Schweiz" hat unser Vereinsmitglied Herrn Dr. Heinrich Zellner - Hannover veranlaßt, uns auf folgende Stelle in Gottfried Kellers .Nachgelassenen Schriften und Dichtungen" (Berlin, Verlag von Will). Herz) aufmerksam zu machen. Die betreffende Aeußerung des Dichters lautet: „Was unsere kantonale Gesetzgebung betrifft, so dürste hier der Ort sein, eines kurzen aber vielleicht folgennahen Gesetzes zu erwähnen, welches seit dem letzten Bet tage geschaffen wurde. Der von Euch erwählte große Rath, liebe Mitbürger, hat mit einigen wenigen Paragraphen das seit Jahrtausenden geächtete Volk der Inden für unsern Kanton seiner alten Schranken entbunden, und wir haben keine Stimme vernommen, die sich aus Eurer Mitte dagegen erhoben hätte. Ihr habt Euch dadurch selbst geehrt, und Ihr dürft mit dem Gesetze, das eben so sehr von der Menschenliebe wie aus Gründen der äußeren Politik endlich geboten war, am kommenden Vettage getrost vor den Gott der Liebe und der Versöhnung treten. An Euch wird es sodann sein, das geschriebene Gesetz zu einer frucht-