Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Frankfurt a. Main
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Im deutschen Reich. Köhler-Langsdorf so ungeheuerlich, daß er dem Justizmiuister den Vorwurf machte, er lasse den Bauer ungestraft beschimpfen, nehme dagegen „die lieben Juden" zu sehr in Schuh. Wahrlich, die reine Tragikomödie: sie nöthigte auch dem Justizminister selbst ein Lächeln ab, das der Abgeordnete fälschlich als ein höhnisches auffaßte, während eö doch sicherlich nur der Ausdruck einer vollauf berechtigten heiteren Stimmung war. Die sachliche Begründung jenes Erlasses durch den Justizminister, war für jeden anderen als für die Antisemiten überzeugend genug: „Man könne die Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens nicht ausschließlich durch Privatklagen erreichen, sondern es sei absolut nothwendig im allgemeinen Interesse,, Auflehnungen und U ebergriffen gegen einzelne Bevölkerungsklassen entgegenzutreten, namentlich wenn sie typisch werden." O Weimar, 3. April. Am 26. Februar wurde in Stadtlengsfeld unser treues Vercinsmitglied Landrabbiner Dr. Salzer unter Zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen. Ein Herzschlag batte dem Leben und Wirken dieses trefflichen Geistlichen und Pädagogen ein Ziel gesetzt. Außer dem Gemeinderath, dem Schulvorstande und sämmtlichen städtischen Beamten waren von auswärts der Großherzogliche Geheime Negierungörath Bezirksdirektor Schmitz sowie Schulrath Kogler von Dermbach erschienen. Vom Geheimen Staatsrath I)r. Kohn-Weimar war ein herzliches Beileidsschreiben eingetroffen. Sämmtliche israelitischen Lehrer und Vorsteher des Landes waren im Lcichengefolge zu erblicken. Am Grabe hielt nach dem Vortrage der Liturgie durch Lehrer Röthler-Gotha der Herzogliche Landrabbiner Dr. Fränkel-Meiningen die Gedächtnißrcde, und dann rief Lehrer Baumgart-Stadtlengsfeld dem so plötzlich Dahingcschicdenen herzliche Worte des Dankes namens der Gemeinde und der jüdischen Vereine des Ortes nach. Würzburg, 5. März. Der hiesige Thierschutzverein plaidiert in seinem Jahresberichte für 1901 wiederum dafür, daß nur den jüdischen Metzgern das Schächten erlaubt, für alle anderen Schlachtungen aber die Schußmaske zur Verwendung gelangen solle. Ein Mitglied des Thierschutzvereins hat auch bei der Etat-Berathung im hiesigen Gemeinde-Collegium einen diesbezüglichen Antrag gestellt; das Gemeinde-Collegium trat aber dem Anträge nicht bei. Es wurde dabei bemerkt, daß vielfach christliche Metzger fchächten, jüdische dagegen das Vieh durch den Schuhapparat tobten liehen. Die letztere Behauptung gründet sich jedoch nur daraus, daß ein