Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Wreschen
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Im deutschen Reich. als Deutsche gefühlt haben und von andersgläubigen Deutschen auch stets so behandelt worden sind. Die sechs jüdischen Stadtverordneten sind als Deutsche gewählt. Bereits seit vielen Jahren wählen die evangelischen und jüdischen Deutschen ihre Kandidaten in gleicher Zahl gemeinschaftlich in der Weise, daß vor der Wahl.nur von Deutschen Vorbesprechungen stattfinden, in welchen die Kandidaten nominiert werden. Das SLimmenverhältniß war nach dem letzten amtlichen Wahlprotokoll das folgende: In der I. Abtheilung erschienen 25 Wähler, darunter 16 Deutsche (5 Evangelische und 11 Juden), in der II. Abtheilung erschienen 52 Wähler, darunter 33 Deutsche (11 Evangelische und 22 Juden), in der III. Abteilung, in welcher das polnische Element sehr überwiegt, wurden in letzter Stunde ein deutschevangel. und ein deutschjüd. Zählkandidat ausgestellt. Hier sind die Ziffern nicht von Belang. Es ergiebt sich aus obigen Zahlen, daß in den beiden in Frage kommenden Abtheilungen die Juden relativ die Majorität halten und nur ihr Kompromiß mit den Protestanten die Parität zwischen den drei Religionsbekenntnissen ermöglicht. Dies ist um so höher anzuschlagen, als der Jude hierbei gewiß geschäftliche Rücksichten vernachlässigt. Seit einer Reihe von Jahren ist hier ein Jude, Rechtsanwalt und Notar Peyser, Stadlverordnctenvorsteher. Die maßgebenden Behörden werden bestätigen, daß die hiesigen Juden bei jeder Gelegenheit ihr Deutschthum bekunden. Unser ehemaliger Landrath, Regierungsrath Kühne in Potsdam, und unser jetziger Landrath, Freiherr von Masseubach, werden zweifellos unseren Glaubensgenossen das Zeugniß echt patriotischer Gesinnung nicht verweigern. «3$ Schneidemühl, 1. März. Im Saale des Herrn Brieger, dessen Eltern auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe begraben sind, ist hier am 27. v. Mts. eine von dem Stadtverordneten Hermann Hoffmann veranstaltete, sehr zahlreich besuchte Versammlung unter dem Vorsitze des Herrn Direktor Walewski abgehalten worden. In derselben sprach zunächst Herr Wilhelm Bruhn aus Berlin über „Deutsche, Polen und Juden in der Ostmark". Das hiesige Blatt berichtet darüber: „Der Redner begrüßte im weiteren die neuerdings von unserer Regierung eingeschlagene Ostmarkenpolitik,' von der allerdings noch nicht allzuviel zu erhoffen fei, wenn die Negierung sich nicht entschlösse, auch noch' andere Fragen unserer Politik mit in ihr Programm aufzunehmen. Eine vom Redner vorgeschlagene Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen. — Lebhaft begrüßt betrat nach diesem Vortrage Herr Graf Pückler aus Klein-Tschirne die Bühne, um den von ihm angekündigten Vortrag „Deutschland in