Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Ritualmord und Eid
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 82 (sequence 5)
- Language
- German
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82 Im deutschen Reich. zu haben. Vergebens weint das Kind und sucht sich seiner Feinde mit den Worten zu erwehren: „Eure Anklage widerspricht doch meiner ganzen Natur. Ich kann den Mühlstein doch nicht vom Platze rücken!" Aber der brutale, verstockte Ankläger bleibt bei seiner blödsinnigen Behauptung: „Du hast den Mühlstein gestohlen." So ergeht es Israel. Vergebens ist mit stahlharten, unwiderleglichen Beweisen dargethan worden, daß die Blutbeschuldigung der innersten Natur des Judenthums widerstreitet. Vergebens ist unzählige Male mit stammelnder Zunge und mit sich auflösender Begeisterung — daß es den Stein rühren und überzeugen könnte — auseinandergesetzt worden, daß Judenthum und Ritualmord zwei absolute Gegensätze sind, die sich hasten und abstoßen, die sich meiden und fliehen. Vergebens! Die Blutanktage gleicht dem alten Ungethüm der Hydra. Wird ihr ein scheußlicher Kops zu Boden geschmettert, dann sprießt aus dem giftgeschwollenen Leibe ein neuer zischender Kopf, blöde glotzend» empor. Das wahnbethörte Menschenherz aber ist härter und kälter als Stein. Was sott nun geschehen? Giebt es in unserem gepriesenen Zeitalter, am Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts, giebt es da keine Macht auf dieser weiten Erde, um endlich einmal diese aller Logik Hohn sprechende Blutbeschuldigung zum Verstummen zu bringen? Keine? Nun denn, so rufe ich den Himmel, der in das Dunkel unseres Erdendaseins hineinleuchtet und in Milde und Freundlichkeit über alle Menschen sich wölbt, zum Zeugen der Wahrheit und IIn« schuld an. Ich habe mein Heiligstes-verpfändet, ich habe geschworen. O, wie gern wäre ich bereit, für diesen meinen Schwur mein Leben hinzugeben und als Glaubenozeuge und Märtyrer für die Ehre Israels zu sterben, damit die Welt endlich zur Erkenntniß gelange, wie sehr sich diejenigen versündigen, welche durch die bodenlosen Blutanllagen tiefe Schmach auf Israels unschuldiges Haupt häufen und seinen seit Jahrtausenden blanken, tadellosen Ehrenschild verunglimpfen; damit es endlich wie die Posaune des Gerichts durch die Weltgeschichte gehe, wie sehr durch diese grundlosen Verleumdungen und Verdächtigungen nicht nur Israel, sondern die gesammtc Kulturmenschheit, deren Religionslehrer Israel gewesen, beschimpft, verlästert und herabgewürdigt wird! Herr Liebermann von Sonnenberg! Verspotten Sie mich, verhöhnen Sie mich als Juden und Judenstämmling — ich will es mit stoischem Gleichmuth ertragen. Für Sie ist das Wort Jude ein Schimpfname, für mich ist es ein Ehrenname. Werfen Sie auf