Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- L. M. Breslau
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 57 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316690--09135-2329063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. darüber in Zehr befriedigter Weise). Im weiterem Verlaufe hochkonservativer Ergüsse wendet sich die ,,Kreuz-ZLg." mit Schärfe gegen die in der Zioniftenversammluug gefallene Aeußerung, „daß in jedem Juden als Erbschaft der Väter ein gewisses monarchisches Gefühl lebe." — Die monarchischen Gefühle der „Kreuz-Ztg" sind selbstverständlich anderer Art; dieselben waren so eigenartig, daß sie zeitweise ihren Ausschluß «ns bem Königsschlossc veranlaßen. P. (5. Posen. Unter der Ueberschrift „Ein jüdischer Sir als Wohlthäter" berichtet das Berliner Antisemitenblatt: „Daily Mail" erfährt, Sir Ernest Casiel,. dessen Vater in Köln Bankier war, hat 200 000 Pfund zur Errichtung eines Sanatoriums für Schwindsüchtige gespendet. „Sir Ernest Eastel" hat sein Gewissen um 200 000 Pfd. erleichtert. Sein Name wird in den Zeitungen erwähnt, und das ist die Hauptsache!" -- Spricht etwa „arischer Adel der Gesinnung" aus diesen wenigen Worten? Wie niedrig muß man empfinden, um so niedrig von einem edlen Nebenmenscken zu denken, der aus gutem Herzen so große Summen für Unglückliche opfert! H. S. Mainz. Der Artikel des „Israelit", welcher „Die Kolonisation Palästinas" betraf, und in welchem daraus hingewiesen wurde, daß unsere Vorfahren Landwirthe, Schafhirten und Ackerleute waren, gab der „Staatsbürger-Ztg." Gelegenheit zu nachstehender Aeußerung: „Wo sind denn heute die jüdischen Landwirthe? Sie haben ihr landwirthschaftliches Gewerbe verlassen, trotzdem die Schrift sagt, dasselbe soll dem Israeliten nicht gleichgültig, sondern „wert und teuer" sein. Bei der Landwirtschaft ist eben nichts zu verdienen, und der Jude lebt vom „Verdienst". — Und wovon lebt der Antisemit? L. M. Königsberg. Das hiesige Antisemitenblatt hat über die Verurtheilung des Notars Medern unter der Spitzmarke „Wieder einer!" offenbar berichtet, um die Annahme zu verbreiten: Wieder ein Verbrecher unter den Juden! M. ist aber weder dem Bekenntnis noch der 'Abstammung nach ein Jude. Wie weit der übrige Inhalt stimmt, wird man in Ostpreußen bester beurtheilen können als hier. M. G. Herne. In den „Mittheilungen des Ver. z. Abwehr d. Antis." wurde darauf aufmerksam gemacht, daß der Vorsitzende des Verbandes „Westmark" der deutsch-sozialen Partei, deren Ortsgruppen ein so gehässiges Weihnachtsflugblatt verbreiteten, Amtsrichter Hoffmanu in Gelsenkirchen ist. L. S. Hamburg. Für die gefi. Uebersendung des „Fremdenblattes" besten Dank.