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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 54

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
V. G. Berlin
Date
1902-01-01
Page
54 (sequence 2)
Language
German
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54 Im deutschen Reich. christlich-deutschen Familie die. Fcstesfreudlgteit getrübt wird durch schwere Verluste an Gut und Geld, die das jetzt zu Ende gehende Jahr mit sich gebracht, jo frage man sich doch, ob wir an diesen Zuständen nicht selbst schuld sind, ob wir solches Unglück, ein jeder an seinem Theil,'nicht mehr oder weniger selbst herbeiführten, indem wir uns nicht begnügten, sondern den, leider Gottes immer mehr um sich greifenden Tanz um das Goldene Kalb mitmachten. Fühlen wir da unfern Frieden gestört, so mögen wir doch erst einmal mit uns selbst ins Gericht gehen, ob wir nicht den, an dessen Erscheinen die Friedensbotschaft sich knüpft, verleugnet haben! ..... Und nicht nur unsere Angehörigen sollen und wollen wir mit Liebesgaben bedenken, nein auch unsere Brüder, soweit es in unfern Kräften steht; ist doch das Gebot christlichen Lebens das höchste: Liebet Euch unter einander! Brennt doch auch in vielen Zudenfamilien heute der lichterbesctzte Tannenbaum! Und diese Sucht zu prunken, diese Art zu betonen, nur daß man giebt, ohne Rücksicht darauf, was man giebt und wie man giebt, führt naturgemäß auch zu der Gedankenlosigkeit in der Auswahl der Geschenke, so daß es nicht zu verwundern ist, wenn Christgeschenke von Christen einfach beim Juden gekauft werden!" . . . Schmerzt es die „Staatsbürger»Ztg." auch, wenn bei ihren jüdischen Inserenten gekauft wird? E. ft. Berlin. Recht lehrreich für jüdische Chambregarnisten ist ein von der „Slaatsbürger-Ztg." veröffentlichen Schreiben einer frommen Zimmervermietherin. Es beißt in demselben wörtlich: „Ich bin eine treue Christin und habe mit Sehnsucht erwartet, daß nur ein Schimmer von Wcihnachtsglanz bei mir einkehren möchte! Ich bin völlig mittellos, Offizierswaise, durch Waarenhänser und Ramschbazare in meinem kleinen Geschäft zugrunde gerichtet; von Schneiderei fristete ich ein karges Leben; aber nach mehrmaliger Krankheit trat Herzschwäche ein, die permanente Maschinenarbeit verbietet. Mit aller Kraft mich gegen die Roth wehrend, verließ ich die kleine ungesunde unsaubere Hofwehnung und nahm eine reine, warme! Zwei Zimmer habe ich vermiethet, — — ein Zimmer kann ich noch abgeben, dann wohne ich miethefrei, nachmittags schneidere ich noch-Nun habe ich aber 150 Mk. Schulden von meiner Krankheit her und jetzt kommt die Doktor-Rechnung — mein Wintermantel ist auf dem Leihamt, ein warmes Kleid ist schon verfallen, — alle Kassen und Vereine weisen mich ab.- Ganz mutterseelenallein stand ich am Weihnachtsabend, mein Tischlein blieb leer, aber für meinen jüdischen Miether kam eine Weih-

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