Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Mannheim
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 47 und werden bestraft werden, während die „reifen Burschen", welche sie zu solchen Ausschreitungen anregten, vielleicht wiederum straflos bleiben.) & Basel, 1. Januar. Dem hier nach Weihnachten abgehaltenen 5. Jüdischen Kongreß haben 260 Delegierte aus fast allen Welttheilen bcigcmohnt. Heber die jüdische Kolonialbank wurde mitgetheilt, das; sie seit zwei Monaten aktionsfähig sei. sich von allen Spekulationen fernhalten und ihre ganze Aufmerksamkeit der Kolonisation in Syrien und Palästina widmen werde. Mar Nordau sprach über die Hebung der Juden; der Hebung der Judenschaft in die ihr gebührende Kulturstufe muffe die wirthschastliche Hebung vorausgehen. deshalb müsse es die erste Aufgabe des Zionismus sein, die Juden ökonomisch Nichtiger zu machen. Unter anderem wurden aus dem Kongreß die Grundsiige für die Sammlung des jüdischen Nationalfonds festgestellt, der in allen Ländern auf mindestens 200 000 Pfund gebracht und lediglich für Landankauf in Paläftinaund Svrien verwendet werden soll. Der Fonds soll die Rechte einer juristischen Persönlichkeit erhalten, und, wenn möglich, in der Stadt Basel domiciliert werden. I)r. Jeremias aus Posen empfahl Kindergärten, Ferienkolonien, Kinderheilftätten :c. Sokuloff-Darschau sprach über jüdische Wissenschaft, Ruber-Wien über jüdische Kunst, und I)r. Herzl verlas schließlich eine Danksagung des Obereeremonienmeisters Ibrahim für die Huldigung des Kongresses an den Sultan. — Die „Kreuz-Zeitung" brachte über den Kongreß einen sehr ausführlichen Bericht, der „Judäa den Juden" überschricben, mit allerhand antisemitischen Mätzchen ausgeschmückt war, und schließlich in dem Wunsch gipfelte, das nationale Prinzip auch für das deutsche Wesen anzuerkenuen und Judäa den Juden zu gönnen. Daß die „Kreuz-Zeitung" den Juden das deutsche Wesen abstreiteu möchte, ist glaubhaft, daß sie ihnen Judäa gönnt, weit minder. — In derselben Nummer bringt das wackere Blatt folgende Notiz: „Im Fremdcnbuche eines Gasthauses zu Jericho (Palästina) ist, nach den „Alld. Blättern", zu lesen: sieur et Madame Sussmann de Schwerin". Französich ist die Sprache der „Alliance Isradlite Universelle" namentlich auch in den von ihr wesentlich mit Hilfe deutsch - jüdischen Geldes errichteten Schulen im türkischen Orient; die französische Eintragung der Schweriner Juden steht also aus der Höhe jüdischer Kultur." — Die hochgeborenen Gönner der „Kreuz-Zeitung" sind freilich meistens von französischen Bonnen und Gouvernanten erzogen worden und radebrechen mit Vorliebe französisch.