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Im deutschen Reich · 1902-01-01 · Heft 1 (Januar 1902) · p. 46

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 1 (Januar 1902)
Article
München
Date
1902-01-01
Page
46 (sequence 2)
Language
German
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Im Deutschen Reich. 4 fl Justizverwaltung sei schon seit längerer Zeit daraus Bedacht genommen, jüdische Richter auch auf dem Lande unterzubringen. Wo dies geschehen sei, seien noch keine Klagen laut geworden. Man Inbe jetzt unter etwa 2400 Justizbeamten 51 Inden, was einem Prozentsatz von 2,8 entspreche. Würde man nachdem in der Kammer der Abgeordneten gefaßten Beschluß verfahren, so könnten in den nächsten 10 bis 12 Zähren keine Juden mehr Anstellung finden. Die jüdischen Staatsdienstaspiranten seien in der Regel sehr tüchtig und anc -ahmsles mit sehr guten Zeugnissen und Noten versehen. Besondere Klagen habe er über sie niemals vernommen. Unter diesen Umständen glaube er, daß der Ansschuß der Kammer der Reichsrathe über den Antrag 1)r. Heim zur Tagesordnung übergehen solle. Zn dieser am 4. d. M. abgchaltcnen, Ausschnßsitzung führte Prinz Ludwig von Bauern ans, man sei nicht auf dem richtigen Wege. Er wolle von religiösen und konfessionellen Fragen vollkommen absehen und mit Rücksicht darauf, daß die Anstellung ein Recht der Krone sei, dem Ausschuß zur Erwägung geben, ob es nicht zweckmäßig sei, über den Beschluß der Abgeordnetenkammer im Hinblick darauf, daß die Besetzung der RichtersteÜen ein Recht der Krone und nicht des Landtages sei, zur Tagesordnung überzugehen. Trotzdem fand schließlich ein Antrag des Reichsrath von Würzbnrg Annahme, „über den Beschluß der zweiten Kammer zur Tagesordnung überzugehen, in Erwartung, daß die Regierung bei Anstellung von Israeliten in der Justizverwaltung die von ihr kundgegebenen Grundiahe in Zukunft befolgen werde". Aus Anlaß des Nenjahrfestes wurden wieder mehrere Inden mit Auszeichnungen bedacht. Ernannt wurden zu Hofräthen:!)r. Abraham Oppenheimer in Würzbnrg und!)r. Eugen Jacob in Kaiserslautern, zu Kommerzienräthen: Bernhard Mobrenwitz in Bamberg und Mar Heine in Würzburg, zu Jnstizräthen: die Münchener Rechtsanwälte A. Adlerstein und Leopold Tiegel. Mannheim, 1. Januar. Im benachbarten Ilvesheim wurde bei einem nach einer Versammlung entstandenen Antisemilen- Krawall die israelitische Leichenhalle erbrochen und der Leichenwagen in den Neckar gestürzt. (Die „Staatsbürg^r-Ztg." behauptet, diese Meldung sei in tendenziöser Weise entstellt, um den Antisemiten etwas anzuhängen. Es handele sich Lediglich um Ausschreitungen unreifer junger Burschen, die in gar keiner Beziehung zur antisemitischen Bewegung in Baden standen. Die jugendlichen Thäter sind verhaftet

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