Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Königsberg i. Pr.
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 Hm Deutschen Reich. ich heute mit dem Sammelnamen Levy bezeichnen will. Seitdem herrscht daselbst, auch bessere Elemente verführend, der fremdländische Instinkt nach immer mehr Prosit, und dem altdeutschen Grundsatz: „Leben und leben lassen" wird gegenüber der Landwirthschaft keck ins Gesicht geschlagen." So Herr Hubrich nach dem von ihm anerkannten Bericht. Wo ist hier die Rede von einem „procentna! sehr kleinen Theil" des Handelsstandes? Dazu kommt, daß Herr Hubrich am Schlüsse seiner eben erwähnten Erklärung nochmals ausdrücklich „feststellt", daß seine „Worte allgemein dem Handelsstand der meisten deutschen Großstädte galten, sofern er sich offen an der Verbreitung der Behauptung von Brotwucher und Hungertarif betheilige." Herr Hubrich wendet sich mit seiner „Rothwehr" an eine falsche Adresse. Das Wert vom Brotwucher stammt bekanntlich weder von einem „procentual sehr kleinen Theil des Handelsstandes", noch „allgemein vom Haudclsstand der meisten deutschen Großstädte", sondern es stammt vom deutschen Kaiser. Diese Thatsache sollte eigentlich auch einem agrarischen Agitator nicht fremd sein." Minden i. W., 7. Januar. Heute feierte unser Mitbürger der Kaufmann Moses Lilienthal in geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen achtzigsten Geburtstag. Derselbe ist seit ungefähr 40 Jahren mit nur kurzer Unterbrechung im Vorstände unserer Gemeinde, zuletzt als erster Vorsteher thätig. Dreimal berief ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in den 60 und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts trotz antisemitischer Gegenagrtation in das Stadtverordneteucollegium. Möge seine bewährte Kraft noch lange unserer Gemeinde erhalten bleiben. Hörde i. W., 13. Jan. Bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen ist ein Vorstandsmitglied der hiesigen Synagcgen- Gemeinde, Kaufmann Jacob Gans, zum Stadtverordneten gewählt worden. -8- Hamburg, 10. Januar. Das „Hamburger Fremdenblatt" vom 9. Januar veröffentlicht folgenden Bericht über eine Verhandlung des Schöffengerichts V. „Richter: Amtsrichter vr. Brach. Als Schöffen fungieren: A. I. Th. P. Heidorn und H. W. O. Heine. Als die Untersuchung in der Koniher Mordaffaire die Gemüther erregte, machte sich der Pfarrer Wilhelm Krösell aus Kloxin in Pommern in der antisemitischen Presse durch Ausfälle gegen die Juden bemerkbar. Er behauptete, daß nur Juden die Mörder feien und daß Winter das Opfer eines Ritualmordeö geworden fei. Gegen diese ma&Iofett Hehartikel schrieb Dr. Hirsch Hildesheimer vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in der „Berliner Zeitung" einen Gegen-