Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Nakel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 43 (sequence 1)
- Language
- German
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AorroponBcn^cn. 48 F.- Rakel «Netze), 2. Januar. Vor einigen Wochen war der Geselle eines christl. Fleischers im hiesigen SchlachLhause bemüht, einem Rind mittels Kopfschlages den Garaus zu machen. Wohl zehn Hiebe hatte das arme Thier schon erhalten, sowohl zu seiner wie des Gesellen Qual, ohne auch nur im geringsten davon betäubt zu sein. Was für einen Lärm das gefesselte Opfer dabei machte, läßt sich kaum schildern. Um dieser martervollen Scene ein Ende zu machen, rief der im Schlachthause stationierende Thierarzt, Herr Schrempf, den dort zufällig anwesenden Schlächter Herrn Lewin mit der Bitte herbei, das Thier zu schachten; dieser Aufforderung leistete Herr Lewin sofort Folge und setzte damit der Quälerei ein Ziel. Solche Vorkommnisse sind wahrlich geeignet, diejenigen zu bekehren, welche in dem Kcpfschlag einen Thicrschutz erblicken und deshalb Schächteinschränkungen eingeführt scheu möchten! <$> Ostrowo, 1. Januar. Im hiesigen Litteratur-Verein hat kürzlich Rabbiner I)r. Wilhelm Münz aus Gleiwiy einen interessanten Vortrag über ,,Kant's Philo''cphie im Lichte der israelitischen Weltanschauung" gehalten. * Königsberg i. Pr., 2. Januar. Die „Königsberger Hartung sche Zeitung" schreibt: „Herr Professor Hubrich veröffentlicht in dem hiesigen Agrarierblatt eine lange Erklärung, in der er seine antisemitischen Bekenntnisse und seine Beleidigungen des Handelsstaudes näher erläutert. Bezüglich seines Antisemitismus beruft er sich auf Treitschke. Er häue mit demselben Rechte sich auf größere Vorbilder berufen kennen: auf Stöcker, den Wahrheitsliebenden, aus Hammersteiu, den untadeligen Ehrenmann, auf Ablwardt mit den zerrissenen Beinlleidcrn und auf den Dreschflegelgrascn Pucktcr. Bezüglich seiner Beleidigungen des Haudelsstandcs versucht Herr Hubrich einige Einschränkungen. Um den Thatbcstand nicht verdunkeln zu lassen, lassen wir hier nochmals im Wortlaut folgen, was Herr Hubrich gesagt bat: „Der deutsche Kaufmannsstaud war unzweifelhaft vor Jahrhunderten einer der ersten Bannerträger deutscher Ehre. Aber wenn man jetzt von der Wiederkehr der gewaltigen Tage der deutschen Hanse spricht, so erlaube ich mir trotz des Anwachsens der Erportindustrie und des Exporthandels die bescheidene Gegenbemerkung: Unter den dermaligen bestehenden Verhältnissen sind jene Tage weder zurückgekehrt, noch werden sie wiederkchreu. Und zwar wegen der inzwischen stattgehabten Verschlechterung des Menfchenmatcrials. Wir wissen ja alle die traurige Wahrheit, daß sich gerade in den tonangebenden kaufmännischen Kreisen diejenigen Elemente eiuzunisten aewußt haben, die