Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- F. R., Berlin
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 695 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316688--08989-2328881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. 695 33ml) 11 kann also über die Konfession seines Inserenten nicht im Zweifel sein. Die Redaktion des Antifemitenblattes, welche es einmal als Skandal zu bezeichnen wagte, daß Juden der christlichen Kundschaft Christ- und Confirmations-Gefchenke anbietcn und daß Christen solche von Juden kaufen, nimmt jetzt mit Vergnügen von der Firma Baer Sohn große Inserate auf, Ln welchen in fetten Lettern „nützliche dankbare Festgeschenke, wichtig für Bescheerungen" empfohlen werden. Von dem Gelde jüdischer Inserenten heißt es in der Redaktion der „teutschen" Staatsbürger-Zeitung offenbar: Non ölet! D. M. Berlin. Ter Rath, man möge im Jntereffe der Buren es sich zur Pflicht machen, keine englischen Maaren zu kaufen, wurde nicht nur von der ^Staatsbürger Ztg.", sondern auch kürzlich in einer vom Deutschen AnVjjemiten-Bund nach der „Tonhalle" cinberufenen Versammlung von den Herren?(bg. Bindewald, Chef-Redakteur Dr. Bachler und Redakteur Otto Böckler erkheilt. Daß diese Herren mit den geistigen Erzeugnissen des englischen „Pangermancn" H. St. Chamberlain selber Handel treiben, ist eine Inkonsequenz sonder Gleichen, aber unter Antisemiten kommt cs ja darauf nicht an. G. S. Berlin. „Nemo me impime lacessir*. (Keiner reizt mich ungestraft!) lautete das Wort, mit dem diese Zeitschrift im Juli 1895 eingeführt wurde. Dieses Wort hat unverkennbar zündend gewirkt, denn unsere Gesinnungsgenossen zeigen beständig, daß sie von der Ucberzeugung, daß sich wehren zu Ehren bringt, fest durchdrungen sind. Das beweist auch der bittere Acrger, der sich mühsam hinter Spott versteckt, wenn unsere Gegner spüren, daß sic uns nicht ungestraft reizen dürfen. Ein Verspiel liefert folgendes Geschichtchen der „Staatsbürger Ztg.": „Es war einmal ein junger Straßenbahnichaffncr in einer großen Stadt, und in dieser Stadt gab es auch eine Jüden-Straße. Run wurde unser Schaffner eines Tages an eine Linie verseht, an der es eine Haltestelle „Jüdenstraße" gab; er mußte somit oft in den Wagen rufen: „Jüdenstraße!" Er hatte aber stets im Leben bemerkt, daß es den Israeliten sehr unangenehm ist, wenn man sie „Jüden" nennt, während sie die Bezeichnung „Jude" noch allenfalls ohne Aufregung Hinnahmen. Dieweil ihm nun stets cmgeprägt war, daß die erste Pflicht eines Verkehrsbeamten die Höflichkeit ist, so machte ihm die Jüdenstraße viel Kummer; zumal wenn in seinem Wagen viele von jenen Herren oder Damen saßen, denen man die „Konfession" an der Nase ansieht. In dieser Noch verfiel er auf einen Ausweg, der ihm vortrefflich dünkte; gerade wieder hielt man an der Straße mit dem peinlichen Namen und gerade wieder