Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- München
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 690 (sequence 2)
- Language
- German
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690 V$m deutschen Reich- Nudelsberger betonte, daß wir zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer rückläufigen Bewegung begriffen sind, die sich nicht blos in dem vorliegenden Falle allein, sondern auch auf anderen Gebieten, so dem Schulwesen, geltend mache. Hiergegen müssen die Liberalen einmürhig Front machen. Die Versammelten gaben durch stürmischen Beifall ihre Zustimmung kund". 6. + München, II. Dez. lieber die Verfaffungs- und Gesetzwidrigkeit einer zahlenmäßigen Beschränkung der Anstellung von Juden im Justizdienst, wie sic der Antrag Heim fordert, besteht unter Billigdenkendcu kein Zweifel. Wer ein übermäßiges Zuströmen jüdischer Bewerber zum Justizdienst bedenklich findet, müßte auch Bedenken hegen, wenn sich die Justizbeamten in übermäßigem Grad ans dem Aeel, aus einzelnen Berufoständen, aus den Kreisen der Korpsstudenten, aus einer einzigen politischen Partei rekrutieren sollten. Gerade die „Judendebatte" im bayerischen Abgeordnetenhaus hat aber auf völlig gesetzmäßige Wege hingewiesen, auf denen einer solchen ,,Gefahr' wenn sie vorhanden sein sollte, begegnet werden könnte. Der Alttragsteller 9r. Heini selbst hat betont, daß im höhere VerwaUungs- und Finanzdienst kein einziger Jude augestellt ist. Mau mache den Juden diese ihnen jetzt noch fast ausnahmslos verschlossenen Verwaltungszweige zugänglich und die „Gefahr" einer ,.Verjuduug" der Justiz ist sicher beseitigt. Ein weiterer Grund für die Mehrung der jüdischen Juristen in Bauern ist die 'Ausschließung der Juden von dorn Acmtern in den meisten übrigen Bundesstaaten/ Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von bayerischen Rechtspraktikanten stammt ans außerbayerischcn Bundesstaaten und ist in den bayerischen Justizdienst getreten, weil in ihrer Heimat den Inden alle Aussichten im Staatsdienst verschlossen sind. Wenn der Zudrang jüdischer Bewerber der bayerischen Justizverwaltung mit Rücksicht ans die „Stimmung der Bevölkerung" Schwierigkeiten macht, dann hätte sie allen Anlaß, im Bundesrath und bei den ciuzelftaatlicheu Ministerien daraus hinznwirken, daß diese nicht durch ihr dem Geist des Neicksgejetzes über die Gleichberechtigung der Konfessionen widerstreitendes Verfahren bei der Anstellung von Beamten diese Schwierigkeiten der bayerischen Negierung noch vergrößern. Wie der „Münchener Ztg." aus Salzburghofen bei Freilassing berichtet wird, ist am Abend des 8. Dezember der 21 jährige Sohn eines israelitischen Kaufmanns in Salzburg aus dem Heimwege vom Theater von einem fremden Individuum angefallen und ohne jeden vorausgegangenen Wortwechsel mit dem Ruse: „S .. jude, du mußt hin werden", niedergeschlagen worden. Der Angegriffene, der