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Im deutschen Reich · 1901-12-01 · Heft 12 (Dezember 1901) · p. 688

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 12 (Dezember 1901)
Article
Hamburg
Date
1901-12-01
Page
688 (sequence 2)
Language
German
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688 Hm deutschen Reich. Zeuge GL., der durch I)r. Schramm sich als Nebenkläger augeschtossen hat, ist konuuissarisch vernommen. Derselbe hat bekundet: Der Angeklagte K. habe ihn früher gebeten, seine Firma zu veranlassen, ihn:, Kuhlen, die Vertretung für den Norden zu Übertragern Als Zeuge in Bahia an Bord des „Santo Paolo" gekommen und mit K. zusanrmen gekommen sei, habe K. die Vertretungsangelegenheit wiedelerwähnt, worauf Zeuge dem K. erklärt habe, in der Sache nichts thun zu tonnen. Am 10. April habe K>, als Zeuge im Speisesaal an demselben vorübergegangen sei, ihm zngernfen: „Sie stinken, Sutc." Er sei ruhig weitcrgegaugen nach seiner Schlasstätte. Kaum dort augekornmen, habe er von hinten einen wuchtigen Schlag bekommen. Als er sich nrngedreht habe, habe er den Angeklagten Kuhlen vor sich gesehen. Der habe ihn nun gepackt und gewürgt. Ietck sei auch der Angeklagte Haase herzugekommen und habe auf ihn eingeschlagen. Zeuge habe den Kapitän rufen wollen, da sei aber Ha.ise im Speisesaal nochmals über ihn hergefallen, während Kuhlen die Thür zugehalten habe, damit Niemand ihm bätte zu Hülfe komnren tonnen. Aus deu verlesenen ärztlichen Attesten crgiebt sich, da fr Gl. sehr erhebliche Gesundheitsstörungen durch die Mißhandlung erlitten hat. Eine Zeugin I., ebenfalls Passagierirr des „Santo Paulo", har den Zeugen Gl. au: Tage nach der Mißhandlung in einem entsetzlichen Zustande angetroffen. Sie schildert Gl. als einen kleinen, schwächlichen Menschen, der niemanden etwas zu Leide gethan habe, während die Angeklagten, übrigens zwei sehr kräftige Gestalten, sich schon am erster: Tage sehr unpassend benommen hätten. Die Angeklagten meinen, die Zeugin sage deshalb ungünstig für sie aus, weil sie dieselbe geschnitten hätten. Von einem andern Zeugen, der sie belastet, sagen die Angeklagten, derselbe sei Jude und sage deshalb für sie ungünstig aus. Der Amtsanwalt ist von der Schuld beider Angeklagten überzeugt und beantragt gegen Jeden Monate Gefängnis;. Die Vertheidiger, I)r. Wassermann für K., Dr. v. Oldershausen für H., bitten um mildere Strafe. Das Gericht erkennt auf die beantragte Strafe von je:> Monaten Gefängnis;." <£} Aunaberg i. S., 10. Dezember. In der Nacht zum 9. d. M. verschied am Herzschlag der Redakteur des „Annabcrger Wochenblattes" Erwin Bauer, ehemals ein hervorragender Führer der deutsch-sozialen Antisemiten, der im Jahre 1801 fcte Redaktion der „Neuen Deutschen Zeitung" in Leipzig übernahm, welche nach einiger Zeit trotz großer Opfer aus antisemitischen Kreisen wieder einging. Erwin Bauer, ein geborner Livländer, ließ u. a. 1891 die Schrift „der Fall Bleichröder" erscheinen und betheiligte sich auch sonst vielfach in Wort und Schrift

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