Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1901)
- Article
- M. Gladbach
- Date
- 1901-12-01
- Page
- 687 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 687 schuß das voll den antisemitischen Stadtverordneten Enders und Fröhlich rastlos betriebene Schächtverbot abgelehnt hatte. Darauf lehnte zwar am 16. November die Stadtverordneten - Versammlung die von den beiden Antisemiten beantragte Klage bei dem Bezirksausschuß gegen den Magistrat mit großer Mehrheit ab, beschloß aber, „zur geeigneten Zeit" auf die Angelegenheit wieder zurückzutommen. Zur Stimmungsmache bezw. Beschleunigung der „geeigneten Zeit" fabriziert man einstweilen „Tartarenbotschaften". 2 Bochum, 5. Dezember. Die Berliner „Staatsbürger-Ztg." veröffentlichte am 21. März d. I. einen Bericht aus Dortmund, wonach eine junge Näherin aus Herne zu ihrer dortigen Schwester gekommen und bald, nachdem sie zwei Dortniunder Aerzte konsultiert batte, unter gräßlichen Qualen verschieden sei. Kurz vor ihrem Tode sollte das Mädchen ihrer Schwester Mittheiluugen gemacht haben, welche die Staatsanwaltschaft veranlaßt hatten, einen jüdischen Arzt in Herne tu Untersuchungshaft zu nehmen. — Was die ..Staatsbürger-Ztg." ihren Lesern vorenthielt, war die Mittheilnng, daß der betreffende Arzt bald daraus ohne Kaution ans 'der Haft entlassen wurde, weil in der Leiche kein Gift gesunden und die Obduktion für den Verdacht eines operativen Eingriffs keinen Anhalt geliefert hatte. Gestern hatte sich trotzdem die hiesige. Strafkammer mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen; der an^etlagte Arzt wurde aber nach fünfstündiger Verhandlung freigesprochen, und die Kesten wurden der Stuatskaffe auserlegt. > Hamburg, 7. Dezember. Der brutale antisemitische Erzes; auf dem Dampfer „Sau Paolo" der Hamburg-Südamerrkanischen SchifffahrtsgeseUschaft, über welcheu in dem Qltoberbeft dieser Zeitschrift (Seite ausführlich berichtet wurde, beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht III. Dasselbe verhandelte unter Vorsitz des Amtsrichters Br. Ehristoph gegen die der gemeinschaftlichen Körperverletzung angeklagten Geschäftsreisenden Otto Kuhle und Paul Haase. Das Hamburger „Echo" berichtet über diese Gerichtsverhandlung: „Die Angeklagten behaupten, sie seien von dem jüdischen Reisenden Leo Glück aus Wien wiederholt durch Renommistereien u. f. w. provoziert worden. Am Morgen des 10. April, dem Tage des Vorfalles, hätten sie mit dem Schiffsarzt und mit mehreren anderen Personen im Spcisesaal bei einer Flasche Mosel gesessen. Während Gl. vorbeigegangen sei, habe K. gesagt: „Hier stinkt es." Da habe sich Gl. umgedreht und zu K. gesagt: „Sie stinken", und außerdem habe Gl. den K. einen gemeinen Hund genannt. H. habe den Gl. darauf geschlagen, K. dagegen nicht. Der