Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- F. E. Berlin
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 642 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 642 geschäftlichen Zwecken käme man schließlich noch dahin, „protestantische" Hosen, „katholische" Röcke, „jüdische" Westen, „dissidentische" Kravatten, „griechisch-katholische" Hüte anzukündigcn. Das fehlte noch! D. T. Berlin. Die Frage, ob Karlsbad antisemitisch ist, wird zwar von vielen Glaubensgenossen verneint, von antisemitischer Seite aber bejaht und für diese Anschauung spricht die Thatsache, daß der „internationale" Badeort sich durch emcn kürzlich mit 1407 gegen 406» Stimmen gewählten „deutsch-nationalen Antisemiten" im böhmischen Landtage vertreten läßt. Daß die „Staatsbürger-Ztg." diese Gesinnung der Karlsbader auf das Benehmen der Juden in dem böhmischen Badeort zurückführt, ist ziemlich gleichgültig; denn im Vergleiche mit dem von der 'Antisemitenpresse großgezogenen Rowdvthnm ist der ungebildetste Badegast aus Halbasien ein Gentleman! Den „Winterantisemiten", die im Sommer Katzenpfötchen machen, könnte es aber nicht schaden, wenn die jüdischen Kranken den Sprudel einmal ruhig vor dem Antisemitismus sprudeln ließen und lieber in Neuenahr, welches völlig gleichwerthige Duellen besitzen soll, Heilung suchen würden. N. G., Berlin. Die angeblich neue Flugschrift „Die Juden — die Könige unserer Zeit" von Dt. Dito Böckel ist nur ein „veibösertcr" alter Ladenhüter. Wenn der Autor im Vorwort die Absicht kundgiebt „m ö glich st v i e l B e w e i s m a te ri a l a u f k n a pp ft e m a u m e zu bieten", hätte man von ihm eine erfolgreichere Ausführung dieser Absicht erwartet. Was I)r. Böckel z. B. über die riesigen Einnahmen jüdischer ld.h. ehemals jüdischer) Rechtsanwälte sagt, istvöllig unbewiesen; daß er die Medizin als ein „einträgliches F ich" bezeichnet, zeugt von einer vollständigen Unkenntnis; der Verhältnisse. Die Schrift Böckels enthält ferner eine Anzahl von angeblich dem „Verein für Sozialpolitik" erstatteten Gutachten über das „Treib < der Landjuden". Daß diese durch keinerlei Sachlichkeit getrübten Gutachten anscheinend bisher nirgend veröffentlicht wurden, fp' icht für das gesunde Urtheil der Vereiusleiter. Wenn Dr. Böckel cs den Juden zum Vorwurf macht, daß der Dodenwerth am Kurfürstendamm in Berlin sich in 33 Jahren auf das Fünfzigfache erhöht hat, so werden ihm die armen dortigen Palastmiether für sein Mitgefühl gewiß sehr dankbar sein. Die dem christlichen Schriftsteller Paul Lindau von dem antisemitischen Mitarbeiter des jüdischen Journalisten Hamburger zugetheilte Bezeichnung „Litteratnrjude" ist geradezu amüsant. Daß Hugo Lowv nicht „mit Hilfe eines kleinen Börsenblattes" operierte, sondern selbst ein Blatt herausgab, sollte Herrn Böckel eigentlich bekannt sein. Dem Lyriker