Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- P. B., Berlin
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 641 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 641 Kiltniö fördernden Zustandes den gewiß auch dem verehrlichen Kirchenvorstand nicht wünscheuswerth erscheinenden Eindruck erwecken wird, daß die Luisen-Kirckgemeinde sich in die vorderste Reihe derjenigen stellt, welche unablässig darnach streben, den Unterschied zwischen Christen und Juden möglichst auffällig zu machen und die Schranken zwischen den Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse immer höher zu ziehen. Unsere Glaubensgenossen pflegen bei gemeinnützigen Zwecken niemals nach den: Religionsbekenntnisse zu fragen, und wir würden es tief beklagen, wenn eine Verminderung des Gemeinsinns auf der anderen Seite den löblichen Gemeinsinn unserer Glaubensgenossen irgendwie verringern sollte. Wir sind auch davon überzeugt, daß zahlreiche christliche Mitbürger den grundsätzlichen Ausschluß jüdischer Kinder von dem Kirckhossgarten nicht im Einklänge mit den Grundsätzen der allgemeiner: Menschenliebe erachten, die Rcligionsunterschiede nicht kennt. Uns selbst aber würde der Widerruf einer solchen allgemeinen, die Juden verletzenden 'Anordnung. falls dieselbe wirklich gegeben sein sollte, ein erfreulicher Beweis dafür sein, daß unser Wunsch, den Frieden zwischen den Angehörigen der verschiedenen Konfessionen möglichst zu fördern, von dem verevrlichrn Kirchen Vorstand getheilt wird". — Wir sind gewöhnt, von jeder Behörde einen Bescheid zu erhalten; in diesem Falle aber blieb jede Antwort aus. Dem Kircheuvorstande der Lustcngemeinde liegt also entweder nichts an dem Gemcinsinn unserer Glaubensgenossen. oder er hält sich von demselben so überzeugt, daß er jeder Rücksichtnahme überhoben zu sein glaubt. F. E. Berlin. Der uns übersandte Reklame-Zettel ist allerdings auch ein Zeichen der Zeit. Dieser Zettel weist an der Spitze die Worte auf: Robert Bohn, Christliches Geschäft. Jnvalidenstraße 165, Laden und 1. Etage (neben Gartenstraße). Herren- und Knaben-Bekleidung. An der Laugseite des Zctlels befindet fich aber folgende „Rotiz": „Den Vermerk „Christliches Geschäft" am Kopfe dieser meiner ersten Anzeige durch Zettel mache ich nicht aus antisemirischer Gesinnung, zumal auch, eine vielseitige jüdische Kundschaft habe, sondern für das Publikum, welches prinzipiell nur aus christlichen Geschäften kauft." Offenbar ahnt Herr Robert Bohn, daß die „vielseitige" jüdische Kundschaft auch eine sehr empfindliche Seite hat und sich kaum damit befreunden wird, daß man mit Rücksicht auf diejenigen, „die nie alle werden", dem Geschäfrslcben eine ganz ungehörige konfessionelle Färbung giebt. Bei dem Mißbrauch des religiösen Bekenntnisses zu