Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Brüssel
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 633 (sequence 1)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. Brüssel, 2 November. Es ist für die Juden ehrenvoll, daß das Vorurtheil gegen sie dort am stärksten ist, wo man infolge ihrer geringen Zahl von' ihnen wenig erfährt, daß das Vorurtheil aber schwindet, wo die christliche Bevölkerung durch das Vorhandensein zahlreicher jüdischen Gemeinden im Stande ist, sich von der Grundlosigkeit der„Judenfurcht" zu überzeugen. Deshalb floriertz.B.dcrAnLifemiLiomus im Königreich Sachsen und faseln im Königreich Belgien, wo eS im Ganzen 4000 Juden giebt, gewisse Leute bereits von dem gefährlichen Uebcrhandnchmen des Judenthums. Gegenüber diesen Deriuchen, den Antisemitismus zu importieren, hat sich eine Reihe freiheitlich gesinnter Männer zu einem „Comite Marnix pour la dilTusiou des idees de justice ct de liberte“ zusauunengesck^loffen und einen flammenden Pretest gegen die Judcnhetzc in :>0()00n Eremplaren über das ganze Land verbreitet. Das nur aus Ehristen bestehende Komitee führt seinen Namen von Marnix de Aidegoumde. einem Freibeitshelden im Unabhängigkeitskampfe der Niederländer gegen Spanien. -2^ Dcreinsnachrichten. sich voransfetzeu ließ, daß das Tbema, welches für die erste ' Herbst-Versammlung des Eentral-Vereineauf die Tagesordnung gefetzt worden war, eine große Zugkraft ausüben würde, war für diele Zusammenkunft der für 1 200 Personen Raum bietende große O b e r licht- Saal der „Philharmonie", Berlin 8^'., Bernburgerstraße 22/23, gcmiethet werden. Der Andrang war aber so groß, daß der Saal bereits bei dem Beginn des Vertrage-, Abends >>:y4 11 br, überfüllt war und Hunderte, welche später Einlaß'begehrten, infolge der polizeilich angeordneten Schließung des Saales, zurückgewiesen werden '.nutzten. Ter stellvertretende Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt I)r. Eugen Auchs, eröfsuete die Versammlung und ertbeilte Herrn Rechtsanwalt l)r. M. Hörwitz das Wort, der in fast zweistündiger Rede über den Stand der Konitzer Affairc Bericht erstattete und alle Phasen des Prozesses bis zu dem Zeitpunkte schilderte, in welchem er die frühere Bedeutung für die Gesammtbcit der deutschen Juden verlor und sich als ein gewöhnlicher Kriminalfall erwies. Der wiederholt von lebhaften Zustimmungskundgebungen unterbrochene Vertrag, dem die Zuhörer mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten und der am Schlüsse