Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 632

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Karlsruhe i. B.
Date
1901-11-01
Page
632 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316687--08857-2328720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

632 Im deutschen Reich. der wegen Vergehen gegen §§ 186, 200, 196 St. G. B. erhobenen Anschuldigung nutzer Verfolgung gesetzt wurde, da derselbe sich zur Zeit der Begehung der Handlung in einem Zustande krankhafter Störung der Geistesthätigkeit befand, durch welche seine freie Willensbestiminung ausgeschlossen war. (8 51 Str. G. B). Der Ministerralkommiffar. gez. Vecherer. Heidelberg, 15. November. Die mehrfach verbreitete Nachricht, daß der hiesigen nationaljüdischen Verbindung „Badenia" die Farben entzogen wurden, ist in zwei Punkten unrichtig. 1. ist die ,,Badenia" nicht das, was man gewöhnlich unter „nationaljüdisch" versteht, sondern vielmehr „nationaldentsch", 2. wurde das Verbot vom Senate nur für die Dauer eines Semesters ausgesprochen. Der Grund der Maßregelung war die Lhätliche Erwiderung antisemitischer Provokationen, die von anderen Korporationsstndenten ausgingen. <8> Prag, 9. November. Der greise Führer der Altczechen, Baron Ladislaus Riegcr, dein neuerdings ein klerikales Blatt angebliche antisemitische Aensierungen in den Mund legte, hat in einem Schreiben an ein czechisches Blatt, die „Cesky Lidovske Listy“ richtete, mit aller Entschiedenheit die ihm impntierte Gesinnung abgelehnt. „Ich versichere auf mein Ehrenwort, daß ich von jeder Racenfeindschaft gegenüber den Juden frei bin, das; ich immer bestrebt bin, den Inden gegenüber gerecht Zu sein, das; ich wünschen würde, die Juden mögen aufhören, sich in unserem Vaterlande als Fremde zu betrachten. Ich glaube noch immer, daß sie unsere politische Stellung stärken würden, wenn sie wenigstens in dem Maste, in dem sie durch ihr Talent und mit ihren Mitteln die Bestrebungen der Deutschen fördern, für unsere Nationalität eintreten würden ... Ich halte dasür, daß, so oft bei uns eine Art Antisemitismus Zum Vorscheine kam, er nie einen so grimmigen und doktrinären Charakter angenommen hat, wie er ihn bei den Deutschen Zu tragen pflegt. Es hat sich oft bei Wahlen und Vertretungen in gesetzgebenden Körperschaften gezeigt, daß unsere jüdischen Freunde bereitwilligst gewählt wurden. Wo immer die Juden bei der Vcrtheidigung unserer Nationalität auf unserer Seite stehen werden, werden sie bald Zur Ueberzeugung gelangen, daß sie manches Vorurtheil und jode Amipathie verschwinden machen.' daß sie vielmehr von uns geliebt und geschätzt sein werden ..." — Vielleicht geben diese Worte den christlichen Deutschen in Böhmen zu denken und erinnern sic daran, wie ihre jüdischen Landsleute sich als Pioniere dos Deutschthums erwiesen und nur dadurch den Haß vieler CZechen zugezogen haben!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.