Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- L. M. Bochum
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 565 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion- 566 die seitens der Polizei angestellten Ermittelungen keinen Zweifel darüber lassen, daß man es hier mit antisemitischem Vandalismus ohne Gleichen zu thun hat. Die geraubten Sachen sind in den umliegenden Gärten zerstreut umhergeworfen worden. Glücklicherweise war der werthvolle siebenarmige Kronleuchter von dem Kirchendiener am Aoend ins Haus gebracht worden, sodah dieser Gegenstand unbeschädigt blieb. Die Entrüstung in der Bochumer jüdischen Gemeinde über die ruchlose That ist allgemein und wird von jedem edelgesinnten Menschen getheilt." — Dazu bemerkt das Berliner Antisemitcnblatt, welches vollständig vergessen zu haben scheint, wer die intellektuellen Urheber des Steinewerfens gegen die Synagogen in Könitz, Tuche! u. a. O. waren: „Auch wir sind der Ansicht, daß da eine bodenlose Gemeinheit vorliegt; ebenso bodenlos gemein aber ist es, ohne eine Spur von Beweis Antisemiten als Thäter zu verdächtigen. Es ist noch niemals nachgcwiesen worden, daß Antisemiten, d. h. über die Judcnfrage aufgetlärte Männer, einen Gegenstand zerstört oder beschädigt haben, der mit dem jüdischen Gottesdienst auch nur im entferntesten Zusammenhänge steht." — „Dies Kind, kein Engel ist so rein, laßt's Eurer Huld empfohlen sein!" D. B., Frankfurt a. M. Das Offenbacker AnLisemitcnblatt „Deutsche Volksmacht" vom 9. Oktober macht den als eifrigen Antisemiten bekannten Bamberger Katholiken Ferdinand Tugendsam, welcher sich sträflich gegen die in dem Miedergeschäft seiner Gattin beschäftigten Lehrmädchen vergangen und deshalb die Flucht ergriffen hat, zum Juden, trotzdem zahlreiche Blätter die Konfession des Flüchtlings längst richtig angegeben haben. Wie kann aber auch ein Antisemit „Tugendsam" beißend S. L. Chemnitz. Ihre Mittbeilung deckt sich mit einem aus Lachsen dem Hamburger „Israel. Familienblatt" zugegangenen angeblich verbürgten Bericht über folgende hübsche Episode: „Kommt da eines Tages ein Reisender, welcher den Ort schon lange Zeit besucht, aber niemals für einen Juden gehalten wurde, zu einem Kunden, welcher ihm erzählt, daß sich ein „Jud" dort ein Geschäft etabliert hat; um denselben aber „herauszugraulen", haben sie schnell einen antisemitischen Verein gegründet und den „Jud" zu einer Versammlung einacladen. Der „Jud" kommt, und was soll ich Jlmen sagen, der Jud is Ihnen ein so scheener Mann und so'n netter Mann daß wir haben den antisemitischen Verein aufgehobe' und haben 'n Gesangverein gegründet und haben den „Jud" in' den Vorstand Lewählt." _