Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Eydtkuhnen
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 555 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316686--08719-2328556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. auf dem Marktplätze in Wpstiten Dankgebete der evangelischen und israelitischen Gemeinden abzuhalten. < Hanrburg, 1. Oktober. Im Alter von 78 Jahren ist hier unser um die Verwaltung zahlreicher gemeinnütziger Institutionen verdientes, treues Vereinsmitglied, Herr Louis Bielefeld, in Folge eines Schlaganfalls verschieden. Die Wiener „Neue Freie Presse" berichtete im verflossenen Sommer, daß der mit der Vertretung eines Wiener Exporthauses betraute Beamte Leo Glück Ende April sich in Rio de Janeiro auf dem Dampfer „San Paolo" der Hamburg - Südamerikanischen Schifffahrtsgesellschaft eingeschifft habe, auf diesem Schiffe aber von zwei judenfeindlichen Passagieren mißhandelt worden sei, olme bei dem Kapitän Ketels Schutz zu finden. Die beiden Passagiere, Otto Kuhlen, Vertreter der Hamburger Firma Brüder Weversperg, und Paul Haase, Vertreter der Solinger Firma Ferdinand Esser, batten ihn schließlich in seiner Kabine überfallen und so lange gewürgt, bis er blutüberströmt und ohnmächtig zusammengesunken sei. Herr Glück erzählt über seine weiteren Erlebnisse Folgendes: „Der Schiffsarzt, den einige Passagiere herbeigerufen hatten, ließ mich, nachdem er mich verbunden hatte, icfcrt zu Bett bringen. Er hat mir auch über die Art der Verletzung ein Zeugniß ausgestellt. Die Passagiere verlangten, daß der Kapitän die beiden Ercedenten in Gewahrsam nehme, damit sie in Hamburg der Beborde übergeben würden. Doch der Kapitän lebnte nicht nur jede Intervention ab, sondern war sogar darauf bodacht, den beiden Gewaltthätern ihre Freiheit zu sichern. Als wir nämlich in die Nähe von Eberbourg gelangten, klopfte der erste Offizier des Schiffes an meine Kajüte — ich lag noch krank zu Bett — und forderte mich auf, das Schiff zu verlassen, damit ich in Eberbourg ins Spital gebracht werde. Ich weigerte mich entschieden mit dem Hinweis darauf, daß ich die Ueborfahrt bis Hamburg bezahlt habe. Um meiner Anzeige in Hamburg vorzubengen, wollte mich der Kapitän in Cherbourg ans Land setzen. Da ibm dies nicht gelang, fetzte er in Cherbourg die Herren Kuhlen und Haase ans Land. Ich verließ in Bremerhaven das Schiff und machte in Hamburg bei der Direktion der Hämburg-Südamerikanischen Schifffahrt-Gesellschaft 'Anzeige, indem iw mich gleichzeitig über die Handlungsweise des Kapitäns beschwerte. Man versprach mir zwar, den Fall zu untersuchen und mich von dem Ergebnisse zu verständigen, doch habe ich keine weitere Nachricht von der Gesellsckast erhalten. Fast ausnahmslos haben sämmtliche Passagiere des Schiffes gemeinsam eine Beschwerdeschrift über das Vorgehen des Kapitäns an die Gesellschaft gerichtet. Zur Wahrung meiner