Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 505 (sequence 3)
- Language
- German
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^mgesandt. bereiten Einwänden zurück. Diese Zu erheben ist um so leichter, je schwieriger ein neues Unternehmen ist. Die reiche Erfahrung der Theoretiker und Praktiker, die an dem Reformwerke mitgearbeitet, das Wohlwollen der Staatsbehörden. die der Anstalt die Rechte einer milden Stiftung zuerramtt haben, die aus anderen Kreisen des Jn- und Auslandes vorliegenden günstigen Erfahrungen bieten eine genügende Bürgschaft des Gelingens, vorausgesetzt, daß das Unternehmen in jüdischen Kreisen die verdiente Förderung erfährt. Noch eine Frage: Was braucht's einer besonderen jüdischen Arbeiterkolonie, neben den dreißig in Deutschland vorhandenen, auch den Juden offenstehenden Anstalten? Die Antwort gebe folgende Steüe aus einem Schreiben des Herrn Pastors Mörcheu, eines bewährten Mitarbeiters -des' von unserem Kaiser so hochgeschätzten Pastors von Bodelschwingh Zu Bethel bei Bielefeld, die Zugleich eine Zutreffende Kritik des vielfach bei uns üblichen UnterstützungssystemS enthält. — -7-7- „Das Geben und immer wieder Geben ohne Prüfung der Würdigkeit und Bedürftigkeit ist die theuerste und unzweckmäßigste Art und dient den Meisten eher zum Rum als Zus Aufrichtung. Man schüttelt sie nur ab; das ist keine Wohlthätigkeit, sondern eine Bankrott-Erklärung der Wohlthätigkeit. Das Gewissen aufrichtig strenggläubiger Juden in Bezug auf SabbaLH- und Speiseordnung und Frörnmigreitsübungen verdient Achtung und Schonung; für sie liegt in dieser Gefetzestreue und der Schonung derselben auch eine Kraft, sich aufrecht und widerstandsfähig Zu erhalten. Das ist aber natürlich in besonderen jüdischen Zufluchtsstätten leichter zu erreichen als in allgemeinen- An Insassen wird es der jüdischen Anstalt bei systematischem Vorgehen nicht fehlen. Da sind die bisher auf nichtjüdische Zufluchtsstätten Angewiesenen, da sind die sich wegen ungenügender Schulung vergeblich an die jüdischen Bureaus für Arbeitsnachweis wendenden Arbeitswilligen, da sind die bei fehlendem Familienauhang von der Gefahr des Rückfalles bedrohten entlassenen Strafgefangenen, da sind die Zahlreichen arbeitskräftigen Wanderbettler, denen die Ausrede genommen ist, daß sie keine Beschäftigung finden können. Nicht mehr fern ist die Jahreszeit, wo auch in dem ruhelosen Wanderer die Sehnsucht nach dem umfriedeten Herd erwacht. Doch nur, wenn dem zum Betriebe der Arbeiterkolonie gegründeten Vereine die Mitte! Zur Durchführung seines ohnehin so vielfach schwierigen Unternehmens zur Verfügung stehen, kann die Eröffnung der Arbeiterkolonie erfolgen. Äs gilt, aus Beiträgen von Gönnern einen jährlichen Etat von mindestens!4 000 Mk. zu decken. Eines Zuschusses in dieser Höhe