Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Wien
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 491 (sequence 1)
- Language
- German
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uo rrcfpc-; wCü*cu. O Wien, 15. September. Zn dem September-Heft der Monatsschrift der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union wird Folgendes mitgethcilt: „Am 18. Juli d. Js. veröffentlichte das „Deutsche VolkLblatt" im Anschlüsse an ein Cirkular des Kauftnannes Leopold Landau? in Pforzheim, dessen dreimaligen Aufenthalt in der Irrenanstalt Jllenau das großherzoglich badische Bezirksamt Pforzheim amtlich bescheinigt hat, unter dem Titel: „Ein Jude über den' Dlutmord" einen Artikel, in welchem die Juden in ihrer Gesammtheit als Mitwisser und Helfershelfer gräulicher Mörderbanden bezeichnet wurden. Gegen die Nichtbeanstandung dieses Artikels seitens der Wiener Staatsanwaltschaft hat die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" schriftlich und mündlich an kompetenter Stelle energische Beschwerde erhoben und die nachträgliche Beschlagnahme der betreffenden Zeitungsnumruer erwirkt." (Vgl. S. 490 und Karlsruhe.) Das „Kronftädter Wochenblatt" hatte am 10. v. M. nachstehenden märchenhaften Bericht veröffentlicht: „Seit einigen Tagen geht ein Individuum in Kronstadt (Siebenbürgen) h§rum, welches Kinder kauft, welches viele Leute -gesehen haben wollen, und trotz alledem Niemand der Polizei näher bezeichnen kann; der Preis für ein Kind, sagt mau, beträgt 5600 Fl. Acht geben, Eltern, die Sache ist gar nicht spaßhaft! Die Welt munkelt und munkelt über diesen Fall recht fatal; sie sagt . . . Ahasver ginge um." — Diese MittheiluNg, welche trotz ihres dummen Gehaltes geeignet war, daZ Volk zu verhetzen, Verfehlte ihre Wirkung nicht, indem sie in Dem rumänischen Vorone von Kronstadt Ausschreitungen veranlaßt. Ueber die Ursache wurde Folgendes berichtet: Ein Jude wollte eine Rumänin, welche in Kronstadt wohnt, bewegen, ihr Kind auf 1000 Kr. versichern zu lassen. Dieselbe verstand ihn nicht recht und glaubte, er wolle ihr das Kind abkaufen. Sie erzählte dashalb von dieser Geschichte dem Geistlichen, der sich alsbald beeilte, von der Kanzel herab zu verkünden, die Eltern mögen ihre Kinder jetzt besonders in Acht nehmen, da die Juden zur Einweihung des neuen Tempels das Blut von ChrrstenkiudcrN beuöthigen. So wurde in Kronstadt das Märchen vom Nitualmord, und-zwar in einer ganz neuen Fassung, von der Kanzel herab gepredigt, was eine Gährung unter Len Bewohnern der rumänischen Vorstadt zur Folge hatte. Als dortfelbst am 12. August ein Jude,. Namens Singer, Kinder nach einem Führer fragte, der ihn über das Gebirge nach Rumänien führen könnte, eilten sofort etliche Mütter herbei, um ihre „gefährdeten" Kinder zu schätzen. Auch einige rumänische Bauern waren zur Stelle und hätten den Juden gelyncht, wenn nicht ein' Sicheryeitswachmann und Kn