Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Beuthen i. Oberschl.
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 421 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 421 H Beuthen i. Oberschl., 1. August. Unter überaus zahlreicher Betheiligung fand die Beerdigung unseres verdienten Nereinsmitgliedes, des StadLraLhs Ignatz Lomnitz, Inhaber der Firma A. Lomnitz Ww., hier am 12. v. M. statt. Der Entschlafene war 17 Jahre hindurch stellvertretender Oberbürgermeister und ein überaus tüchtiges und thatiges Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums. Der Trauerkondukt, an dem sich beide städtische Körperschaften, der Gesammtvorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde, Abordnungen jämmtlicher hiesigen Wohlthätigkeitökomiteo, die freiwillige Feuerwehr und die Schützengilde mit umflorter Fahne betheiligten, bewegte sich durch mehrere Straßen, in welchen die umflorten Gaskandelaber brannten, nach dem Friedhofe. Am offenen Grabe schilderte Rabbiner I)r. Kopfstein in tiefempfundenen Worten das Wesen und Wirken des Dahingeschiedenen. + Eleiwitz, 3. August. Die „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" erhob vor einiger Zeit die 'alte Beschuldigung gegen die Juden, daß es mit nur ganz vereinzelten Ausnahmen keine Juden als ausübende Landwirthe gebe. Diese Thatsache finde ihre Erklärung darin, daß der Jude jede Arbeit scheue, die erstens iftit körperlichen Anstrengungen verbunden sei und die zweitens so wenig lohnend sei wie die landwirthschaftliche. Hiergegen hat dem „Oberschl. Wanderer" zufolge Rabbiner vr. Münz in Gleiwitz an die Korrespondenz eine Zuschrift gerichtet, deren Schluß lautet; „Kommen Sie zu uns nach Oberschlesien und sehen Sie, wie bei uns die Juden als Schlosser, Klempner, Tischler, Steinmetze, Schneider, Schuster und in anderen Handwerken in angestrengter körperlicher Arbeit ihr Tagwerk verrichten. Wir Deutsche jüdischen Glaubens sind von der tiefgehenden Sehnsucht erfüllt, durch die moralisch-sittliche Kraft rechtschaffener Arbeit in treuer Gemeinschaft mit unseren Mitbürgern an dem Ausbau der allgemeinen Wohlfahrt mitzuwirkcn und zur Heilung der sozialen Schäden unseres Zeitalters beizutcagen. Roch eins. Wir leben hier unweit der Dreikaiser-Ecke, und da liegen die weiten galizischen und russisch - polnischen Gebiete jenseits der schwarz-weißen Grenzpsähle unseren Augen näher. Dort aber erblicken wir eine sehr große Anzahl von Juden, die in schwerster körperlicher Arbeit als Bergarbeiter in den Petroleumgrubcn, als Lastträger und dergl. ihr* kümmerliches Dasein stiften". — Die Bundeskorrespondenz konnte sich eigentlich diesen zutreffenden Ausführungen nicht verschließen. Statt aber der Wahrheit die Ehre zu geben, suchte sie die Juden und die jüdischen Handwerker mit der ätzenden Lauge des Spottes zu überschütten. Sie wagte cs, den rechtschaffenen Manu, der im Schweiße seines Angesichtes arbeitet, um