Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 373

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
M. S., Chemnitz
Date
1901-06-01
Page
373 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316683--08398-2328093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Bücherschau. 373 des angeblich in Nazareth einquartierten blonden germanischen Legionärs. Der Antisemitismus führt nothwendig nicht nur zur Anarchie sondern auch zum Heidenthum! Sucher scha«. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Bd. IV., Berlin 1901. Verlag von Albert Katz. 80. 239 u. 47 S. Der vierte Band des „Jahrbuchs für jüdische Geschichte und Literatur" beginnt, wie die vorigen Bände, mit einem Jahresrückblick von Professor Martin Philippson. Leider ist das Jahr 5660 für die Juden Europas eins der trübsten und schmerzensreichsten gewesen, seitdem Aufklärung und Revolution die Thore. des Ghettos geöffnet haben. In Galizien zeigt sich die Staatsgewalt ohnmächtig, die Entführungen minderjähriger jüdischer Mädchen durch die katholische Geistlichkeit zu hindern. In Rußland erfahren die ungerechten Gesetze gegen die Juden nur unbedeutende Milderung. Gleichzeitig sucht man in Rumänien unseren Glaubensgenossen die letzten Mittel des Broderwerbs zu entziehen; viele Tausende jener Unglücklichen greisen zum Wanderstäbe, müssen aber, da man die meist mittellosen Einwanderer nirgends aufnehmen will, nach Rumänien zurückkehren. Auch in einigen Kulturländern treten uns in demselben Jahre die Folgen der antisemitischen Bewegung in recht trauriger Form entgegen. Der geheimnißvolle Mord in Könitz wird von den Geschästsantisemiten dazu benutzt, um eine bis dahin friedliche Bevölkerung auf gräßliche Weise zu verhetzen. Gesellschaftliche Aechtung, Beschimpfung, Mißhandlungen und ungerechte Verurtheilungen sind die Früchte, welche die Hetze hervorbringt. Philippson mahnt in eindringlichen Worten die deutsche Judenheit, daß sie sich in irgend einer Form zusammenthue, um sich zu kräftigem Widerstande zu organisieren. Richtig wäre es gewesen, an jener Stelle zum allgemeinen Anschluß an den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", als die umfassendste Organisation, welche die deutschen Juden besitzen, aufzufordern. Gegen den täglich zunehmenden Abfall „unserer gebildetsten und besitzenden Elememte", den Philippson ebenfalls beklagt, müssen noch andere Maßregeln ergriffen werden. Zur sittlichen Charakteristik der in der Zeit der Glaubensverfolgung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.