Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- R. C., Posen
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 373 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Im deutschen Reich. Es hat für die Besucher von Karlsbad Interesse, diese Namen und Häuser kennen zu lernen. — Das in Karlsbad erscheinende „Badeblatt" soll auch antisemitisch sein. - R. ©♦, Posen. Der Besitzer des Hotel Akkermann auf Borkum, Höntiß, annonciert in der „Staatsbürg.-Ztg.": „Nordseebad Borkum. Hotel Akkermann. Einzigstes Hotel am Platze, welches seinen Bedarf an Fleisch nicht von jüdischen Schlächtern bezieht". — Lassen Sie sich deshalb nicht etwa verleiten, Ihre Ferien aus der Insel Borkum zu verleben. Der Bezug von koscherem Fleisch ist ebenso wie die Drangsalierung jüdischer Badegäste bei den lieben Insulanern Geschäftssache. Wenn nicht Alles rein ist, erklärt man sich für „judenrein", dann fallen immer noch ein Paar Gäste herein, die vielleicht das gute geschächtete Fleisch mit anderen Dingen aussöhnt. I. I., Meseritz. Aus der uns gefl. übersandten Nummer 45 des dortigen Kreisblattes vom 5. Juni können wir 'nur ersehen, daß in Birnbaum der Redakteur Fritsch aus Leipzig am 1. Juni einen Vortrag über den „Deutschen Müllerbund" gehalten hat. Daß der Herausgeber des „Antisemiten-Katechismus"F Theodor Fritsch alias Thomas Frey, in Birnbaum bei den „Müllerliedern" auch in die Antisemitische Tonart verfallen ist, läßt sich trotzdem voraussetzen, da er nach längerer Pause sich neuerdings wieder mit der Verbreitung antisemitischer Schriften beschäftigt. M. S., Chemnitz. Der „Moses als Antisemit" überschriebene pseudo-wissenschaftliche Artikel der dortigen antisemitischen „Sächsischen Bürger-Zeitung", der eine Einführung in das Studium der „Bibel als Geschichtswerk" sein soll, strotzt so von Unsinn, daß Juden denselben nicht ernst nehmen können und ein Strafantrag wegen Religionsbeschimpfung kaum Berücksichtigung fände. Nach Goethe, Bismarck und Moltke mußte auch noch „Moses als Antisemit" an die Reihe kommen. Was an der Sache ernst zu nehmen ist, geht nicht den Richter, aber auch nicht uns Juden an. Wenn die Parteigenossen der christlichen Geistlichen Stöcker, Krösell u. a. m. das von dem Reformator Luther so hochgehaltene Alte Testament in den Staub ziehen und in Blättern, welche auch den Kindern zngängig sind, als Fälschung behandeln, untergraben sie den christlichen Religionsunterricht vollständig, zerstören schon im Keim alle Heilswirkungen der biblischen Geschichte und ziehen jene Zweifelsucht groß, die sicher auch das Neue Testament nicht verschont. Von dem Unsinn „Moses als Antisemit" wird das Judenthum bei Weitem nicht den Schaden erleiden, wie das Christenthum von den Blasphemien der Rasseantifemiten, z. B. von derjenigen