Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Prag
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 364 (sequence 2)
- Language
- German
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364 Im deutschen Reich. Verwaltung und Justiz hinstellte. Jrrthümlich geriet!) er damals in die Redaktion des „Aas" und erzählte dort, in der Meinung, daß er sich in einer antisemitischen Redaktion befinde, daß er schon in Berlin Ritualmord-Artikel für Antisemitenblätter geschrieben, von diesen Empfehlungen an den Wiener Antisemiten-Verein erhalten habe und auch in Prag von dem Kanonikus Rohling nach Wien weiter empfohlen sei. Während sich Tillinger so den Judengegnern zur Verfügung stellte, bewarb er sich gleichzeitig in Prag um die Rabbinerstelle in Smichow. Seit jenen Enthüllungen des „Cas" war von Tillinger nichts mehr zu vernehmen. Jetzt frischt die „Bohemia" die Erinnerung an ihn durch folgende Mittheilung auf: „Die von den Herren Pater Kopab und Pater Simon redigierte christlich-soziale Zeitschrift „Obrana" bringt in der Nummer vom 5. d. den Beginn einer Artikelreihe, welche den Talmud zum Gegenstände und Stanislaus Tillinger zum Verfasser hat. In einer Fußnote wird in der „Obrana" folgendes bemerkt: „Der Autor dieses Aufsatzes, ein Jude, gewesener Rabbiner, ist jetzt nach dem Uebertritt in den Schoß der katholischen Kirche Hörer der Theologie in Wien. Man hat es also hier zweifellos mit demselben Tillinger zu thun, nur daß er nunmehr statt Jehuda Stanislaus heißt!" UeremsrmchrichLerr. Zeit, bevor der Central-Verein deutscher Staatsbürger HHI jüdischen Glaubens begründet wurde und die zündende Losung der „Selbstvertheidigung im Lichte der Oeffentlichkeit" ausgab. war dieser Gedanke bereits in studentischen Kreisen aufgetaucht und damals in der Breslauer „Viadrina" eingehend erörtert worden. Dem Central-Vereine gebührt aber das Verdienst, den ausgereiften Gedanken in Thaten umgesetzt und erzielt zu haben, was früher vielfach für unmöglich gehalten wurde, die Einigung vieler Tausende unserer Glaubensgenossen der verschiedensten religiösen und politischen Richtungen zur Vertheidigung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. Dadurch ist nicht nur das Selbstgefühl der deutschen Juden wieder wesentlich gekräftigt, sondern auch ein erfreulicher Corpsgeist wackgerufen worden, der hoffentlich immer weitere Verbreitung finden wird. Vieles wurde dadurch errungen; mehr noch bleibt zu erstreben, denn jedes Recht will verdien.t, will erkämpft