Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Stolp
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 355 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 355 Männer in das Parlament wählte die diesen unheimlichen Mordgesellen entgegentreten. Die konservative Partei, der Herr von Hertzberg angehöre, habe in dieser Frage vollständig versagt und Herr von Hertzberg selbst habe mit seiner diesbezüglichen „Anfrage" im Herrenhause gründlich Fiasko gemacht. Die feindlichen Brüder sagten sich noch einige andere Schmeicheleien und gingen dann wie gewöhnlich versöhnt auseinander, und es fanden sich auch sicher noch einzelne Parteigenossen des Herrn von Hertzberg, welche sogar der Meinung waren, daß man Bruhn reden lassen müsse, weil seine Vorträge eine beruhigende Wirkung hätten. Den Teufel des Anarchismus merkt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte! © Danzig, 13. Juni. Vor dem Kriegsgericht hatte sich hier der Gendarmerie-Oberwachmeister August Schäfer aus Könitz wegen öffentlicher Beleidigung des Kgl. Bauraths Hensel in Hildesheim zu verantworten. Bekanntlich hatte Letzterer, als er sich im vorigen Sommer im Nordseebad Borkum aufhielt, in berechtigtem Unmuth über das allabendlich dort öffentlich gesungene bekannte judenhetzerische „Borkum-Lied" ein „Peking-Lied" verfaßt. Dies veranlaßte die Stammgäste eines Konitzer Lokals Herrn Hensel auf offener Postkarte die „tiefste Verachtung deutscher Männer" auszudrücken. Der Oberwachmeister Schäfer erklärte, den Inhalt der Karte vor Unterzeichnung derselben nicht durchgelesen und die Sache für einen „Ulk" gehalten zu haben. Dies bestätigt als Zeuge der Kaufmann Oberleutnant d. L. Paul Werner aus Könitz, der beim Schreiben der Karte zugegen gewesen war, sie aber nicht mitunterschrieben hat. Die übrigen drei Zeugen, welche Mitunterzeichner der Karte waren, werden sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben. Das Kriegsgericht sprach den Angeklagten frei, weil es als festgestellt erachtete, daß der Inhalt der Karte zwar für Herrn Hensel beleidigend war, dagegen nicht erwiesen sei, daß Schäfer die Absicht oder das Bewußtsein gehabt habe Herrn Hensel zu beleidigen. K Könitz, 21. Juni. Von dem hiesigen Lehrer Weiche! und der Familie des Fleischermeisters Hoffmann sind aus Anlaß der Winter-Mord-Verdächtigungen verschiedene Beleidigungsklagen erhoben worden. Der verantwortliche Redakteur des Halleschen „Generalanzeigers" Teste wurde am 31. Mai d. I. in Halle wegen Beleidigung des Lehrers Weiche! in Könitz durch einen im „Generalanzeiger" erschienenen, auf die Wiuter-Affatre Bezug nehmenden Artikel zu einer Geldstrafe in der Höhe von 30 Mark, ev. 6 Tagen Gefängniß verurtheilt. Aus gleichem Anlan sollte sich bereits am 23. Mai der