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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 354

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Stettin
Date
1901-06-01
Page
354 (sequence 2)
Language
German
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354 Im deutschen Reich. augenscheinlich stark gelüstet. Herr Krösell erklärte: „Leider habe er den Anwesenden eine traurige Mittheilung zu machen. Der Evangelische Oberkirchenrath habe ihm verboten, hier zu sprechen. (Vereinzeltes Bravo.) Er habe gelobt, seiner Vorgesetzten Behörde gehorsam zu sein, und er werde sein Gelöbniß halten. Doch werde ihm eine kurze Bemerkung wohl gestattet sein. Er sei von gegnerischer Seite ziemlich heftig angegriffen worden. Tausende von Flugblättern mit den Thesen des Dr. Hildesheimer seien überall und sogar in seiner Gemeinde verbreitet worden. Seine Bauern hätten so viele Flugblätter erhalten, daß sie für 4 Wochen genug Fidibusse für ihre Pfeifen hätten. (Heiterkeit.) Im hiesigen „Generalanzeiger" sei eine zweite Erklärung Hildesheimers erschienen, die ihm von 20 verschiedenen Stettiner Juden unter Kreuzband zugesandt worden sei, damit er sie nur ja nicht übersehe (?) Er befinde sich in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite werde er provoeiert (?), auf her anderen gebiete ihm das Consistorium zu schweigen. Er stelle sich unter allen Umständen unter das Wort: Der Mensch soll Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Stürmischer Beifall.) Wohin das führen wird, das weiß Gott". Darnach scheint es, als ob der Oberkirchenrath oder das Consistorium ganz richtig Herrn Krösell vor die Entscheidung zwischen seinem kirchlichen Amt oder seiner mit den Aufgaben dieses Amts in schreiendem und unversöhnlichem Widerspruch stehenden Thätigkeit endlich gestellt hat. Denn daß sich das Verbot, den traurigen und gefährlichen Unsinn von dem Ritualmord in der allergehässigsten Form weiter Zu verbreiten, nur auf Stettin beziehen sollte, ist doch wenig wahrscheinlich". ch Stolp, 18. Mai. Bei einem von dem „Antisemitischen Volksbund" am 14. Juni in Ratzebuhr veranstalteten Versammlung, in welcher Herr Wilhelm Bruhn „seinen Vortrag" hielt, trat ihm ein bekanntes Mitglied des preußischen Herrenhauses, Herr von Hertzberg- Lettin, entgegen, um die konservative Partei gegen den Vorwurf der Wahlbeeinslussungen, und gegen den ferneren Vorwurf, nicht antisemitisch genug im Parlament gewirkt zu haben, zu vertheidigen. Herr Bruhn blieb die Antwort nicht schuldig und widersprach besonders heftig der Auffassung des Herrn von Hertzberg, daß es doch keinen Zweck habe, jetzt, nachdem die Sache in Könitz verfahren sei, in Volksversammlungen darüber zu sprechen. Dabei sagte Herr Bruhn, wie sein Organ, die „Staatsbürger-Zeitung" selbst berichtet, die breite Masse des deutschen Volkes müsse aufgeklärt werden über Sitten und Gebräuche jener Mördersekte, die in unserm deutschen Vaterlande das Gastrecht so schändlich mißbraucht, damit es

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