Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Breslau
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 353 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316683--08326-2328073- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 353 Deputat pro Tag 1,20 Mk. Arbeitslohn, eine einheimische dagegen nur 0,60 Mark und sonst nichts. In früheren Jahren durften wenigstens die Arbeiterinnen, welche den größten Theil des Jahres auf dem Dominium arbeiteten, einige Furchen Kartoffeln für sich stecken. Doch ist diese Vergünstigung im vorigen Jahre auch in Wegfall gekommen. Was hat nun wohl den Grafen dazu getrieben, seine eigenen Landsleute auf das Pflaster zu setzen? Die Unbotmäßigkeit seiner Untergebenen. Ende Mai hatte er von seinen Arbeitern und Arbeiterinnen, welche um 5 Uhr früh die Arbeit beginnen, verlangt, daß sie bis ^9 Uhr Abends arbeiten sollten. Da besaßen diese Leute die unerhörte Anmaßung, etwas früher Feierabend zu machen. Gegen dieses Eindringen freiheitlicher Tendenzen in die Kreise der Landarbeiter mußte energisch Front gemacht werden; am 1. Juni entließ daher der Graf ohne Rücksicht und Erbarmen seine sämmtlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich seinem Befehle widersetzt hatten, und selbst einige arme Wittwcn mit zahlreicher Kinderschaar, welche sich ihm zu Füßen warfen und um weitere Beschäftigung baten, weil sie sonst nicht wüßten, wie sie ihre Familie ernähren sollten, fanden keine Gnade in den Augen des gestrengen Richters. Zur Charakteristik des strengen Regiments in Klein-Tschirne sei auch noch folgender Vorfall mitgetheilt: Der Gutsherr traf eine Frau beim Gießen der frischgepflanzten Bäume im herrschaftlichen Garten barfuß an. Er verbat sich dies und verlangte, daß sie nächstens zur Arbeit in seinem Garten in Schuhen und Strümpfen bekleidet antrete. Als sie dennoch wieder einmal barfuß kam, um au Schuhwerk zu sparen, wurde sie auf der Stelle entlassen." O Kattowitz, 19. Juni. Die Meldung, daß von Petersburg der telegraphische Befehl gekommen sei, jüdische Grenzbewohner nach wie vor auf Halbpässe über die Grenze zu lassen, wurde zunächst durch die Mittheilung erweitert, daß Rußland in die Beibehaltung des bisherigen Zustandes bis zum Ablaufe des Jahres 1963, also jedenfalls bis zum Abschluß der Handelsverträge gewilligt hat. Heute berichtet die „Kattowitzer Zeitung": „Nachdem auch die Paßkammern von der Rücknahme der Verfügung, laut welcher Personen jüdischen Glaubens nur auf Ganzpässen über die Grenze kommen dürfen, amtlich verständigt worden sind, ist heute offiziell die Rücknahme der Verfügung erfolgt." + Stettin, 2. Juni. Ueber die am 20. v. M. hier stattgehabte Antisemiten-Versammlung berichtet die.,,Nene Stettiner Ztg.": „Von Interesse war eigentlich nur eine Aeußerung des Herrn-Pa stör Krösell-Kloxin, den es nach dem Ruhm eines Stöcker