Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- H. C., Berlin
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 301 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion- 801 noch ein profitables Geschäft zu machen weiß, so ist es auch der Jude, der in seinen Zeitungen den Handel mit dem „moralischen Schmutz" der Menschheit betreibt". — Wir stellen demgegenüber sest, daß die „Staatsbürger Ztg." durch einen ausführlichen Bericht über den Prozeß gegen Aß mann erst kürzlich die Zeugenaussage eines Grafen H. in sensationeller Weise „fruktifiziert" hatwährend die sogenannten „Judenblätter" ihren Lesern von diesem „moralischen Schmutz" nur durch kurze Notizen Kenntnis gaben. Der „antisemitische Geschäftsgeist" sorgt so für das Klatschbedürfnis, daß sich die Juden wahrlich nicht zu bemühen brauchen. R. ft., Berlin. Die Antisemiten haben die „ Sternberg - Affaire" weidlich für ihre Zwecke ausgenutzt, trotzdem ihnen bekannt gewesen sein muß, daß Sternbcrg zu dem Judenthum keinerlei Beziehungen hatte. Inzwischen sind in anderen Städten ganz ähnliche Uebelthaten ermittelt worden, an welchen ausschließlich Leute betheiligt sind, die den Antisemiten noch weit weniger die Möglichkeit bieten, aus dem Schmutz Nutzen zu ziehen. Die in Aachen erfolgte Verhaftung eines Regierungsraths erregte dabei um so größeres Aufsehen, als der durch die Aussagen mehrerer junger Mädchen belastete Beamte als Vertreter des Polizeipräsidenten die Geschäfte der Polizeiverwaltung in Aachen leitete. D. L. Berlin. Wie uns aus Lautenburg i. Wcstpr. berichtet wurde, enthält der von dort datierte Bericht der „Staatsbürger-Ztg." vom 24. April zahlreiche Unrichtigkeiten. Nicht in der Synagoge, sondern im Bethause des Talmudvereins sind in nächtlicher Stunde n Scheiben eingeworfen worden. An der Außenseite des betreffenden Hauses fand sich die Aufschrift: „Hier ist ein Christ zu Ostern geschlachtet." Was den in der „Staatsbürger-Ztg." erwähnten Fall aus dem Jahre 1895 betrifft, so stimmt es, daß in Lautenburg niemals antisemitische Versammlungen stattgefunden haben und die dortigen Juden sich gegen alle Versuche wehren, die darauf abzielen, das friedliche Verhältniß zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen zu stören. Dieses Verhältniß kennzeichnet sich schon dadurch, daß unter 18 Stadtverordneten n Juden, unter 6 Magistratsmitgliedern 2 Juden sind und ein Jude Stadtverordneten-Vorsteher, Kreistagsmitßücb und Schuldeputierter ist. Wenn aber auch einzelne Lautenburger Juden im Herbstes 8N5 eine von zwei damals anwesenden Beamten geplante antisemitische Versammlung hintertrieben haben kamen dabei dock keine Gewaltthätigkeiten vor. Die in der„Staatsbürger-Ztg." in grellen Farben geschilderten Vorgänge in dem Hotel haben sich sich hier gar nicht zugetragen, und der stark übertriebene