Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Magdeburg
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Im Deutschen Reich. Wonnen hat. Es dürfte also zu erwägen sein, ob diese von wissenschaftlichen Autoritäten längst als Krankheit anerkannte Alkoholvergiftung K.'s Vergehen nicht in einem anderen Lichte erscheinen läßt. Die That K.'s schließt trotz alledem die Sühne nicht aus Aber grade in diesem Falle zeigen sich wieder die Mängel unserer jetzigen Strafgesetzgebung. Hätte K. und mit ihm so viele andere gewußt, daß er die fehlenden Summen durch jahrelange angestrengte Arbeit hätte verdienen und ersetzen müssen, er hätte sich die Geschichte tausendmal überlegt. Und damit sind wir wieder auf dem A und O unserer Ueberzeugung angelangt: Die heutige Gesetzgebung und die meisten staatlichen Einrichtungen (Armenpflege, christliche Liebesthätigt'eit, Sozialgesetzgebung u. s.'w.) verludern unser Volk, statt es zu erziehen, darum wollen wir andere Gesetze, vernünftige Reformen haben." — Die arme Gesetzgebung ist also daran schuld, daß ein antisemitischer Redakteur „verludert"! Und da giebt es böse Menschen, welche annehmen, daß die von dem wüsten Kneipenleben unzertrennliche Hetzthätigkeit die Ursache sei! Esten a. R., 8. Mai. Der „Rhein.-Westf. Ztg." schreibt man aus Paderborn: „Auf der Tagesordnung der hiesigen Stadtverordnetenversammlung^stand^die Entsendung zweier Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums als Vertreter bei dem bevorstehenden jährigen Garnisonjubiläum des 8. Husaren-Regiments zu dem im Schlosse zu Neuhaus stattfindenden Festesten. Seitens der Kommission waren dazu vorgeschlagen der Stadtverordneten-Vorsteher Vüllers und der Stadtverordnete Bankier Ranjsohoff; dieser aus dem Grunde, weil er ehedem als Einjähriger bei dem Regiment gedient - hatte. Gegen seine Entsendung erhob der Stadtverordnete Vonderbeck, Hauptmann der Reserve a. D., Widerspruch mit der Begründung, es werde Anstoß erregen, daß die Stadt Paderborn einen Israeliten als Vertreter entsende, da bekanntlich im Offizierkorps Abneigung gegen die Juden herrsche, wie ja auch kein Jude zum Offizier befördert werde. Der Stadtverordneten-Vorsteher Vüllers bedauerte lebhaft, daß eine solche Aeußerung im Kollegium vorgebracht sei, und erklärte, in diesem kenne man keine Konfession, sondern nur Vertreter der Bürgerschaft. Der Stadtverordnete Donderbeck hielt seine Bedenken aufrecht, indessen wurde der Stadtverordnete Ransohoff trotzdem mit großer Mehrheit zur Theilnahme an dem Festesten delegiert." ® Liegnitz, 12. Mai. Der „Liegnitzer Anzeiger" berichtet über den hochverdienten Vertrauensmann unsers Vereins:- „Dem Vorstand der jüdischen Gemeinde gehörte Herr Heinrich Cohn, stellvertretender Vorsitzender unserer Stadtverordnetenversammlung, am