Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- L. C. Stettin
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 245 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion 245 Brotherrn eine Züchtigung erhalten haben, die ihn künftig davon zurückhalten wird, sich „in dunklen Zimmern bis zur Erschöpfung" festhalten zu lassen. D. M. Danzig. Das betreffende Inserat stand am 8. Febr. in der „Voss. Ztg." Es lautete: „Arzt-Gesuch. Für Landeck i. Westpr. mit guter Umgegend wird möglichst sofort ein tüchtiger junger Arzt gesucht. Confefsionsangabe erbeten. Auskunft ertheilt der Magistrat, Hesse, Bürgermeister; der Forstgutsvorstand, Schulze, Kgl. Oberförster; der Guts Vorstand Landeckermühle, Toppert, Gutsbesitzer, Dorfgemeinde Adeliger Landrat, Hückel, Gemeindevorsteher." — Warum in der Aera Schönstedt so verschämt? Die verehrlichen Behörden von Landeck' würden sich deutlicher ausdrücken, wenn sie bekannt machten: „Wir suchen einen tüchtigen Arzt. Nach dem Wortlaut der Verfaffung kann sich jeder approbierte Arzt hier niederlassen. Wir werden aber „im Interesse der Bevölkerung" nur einen Arier berücksichtigen. Unser bisheriger Arier hat Landeck den Rücken gekehrt. Unsern jetzigen Arier möchten wir nicht ungern misten. Wir wollen in besten unsere Erfahrungen mit der arischen Heilmethode noch längere Zeit bereichern, bevor wir uns entschlichen, versuchsweise einem jüdischen Arzte den Mitbewerb zu gestatten." — Das wäre wenigstens klar und verständlich! S. M. Hannover. In Peine sammelten die Antisemiten Unterschriften zu einem Protest gegen die Versetzung eines getauften Assessors jüdischer Abstammung an das Amtsgericht. Bei dem Cirkulicren wurde aber angeblich die Liste so beschmutzt, daß sie nicht mehr brauchbar war und nicht mehr zur Absendung gelangte. Eine absichtliche Beschmutzung durch diejenigen, denen die Liste vorgelegt wurde, war nicht anzunehmen, aber — ohne Schmutz geht es bei solchen Agitationen ja selten ab! L. K. Hamburg. Die Schleswiger Theater-Affaire war uns bereits durch eine Notiz der „Staatsbürger-Ztg." bekannt. Danach scheint der Besuch des Stadttheaters durch das antisemitische Vorurtheil der biederen Schleswiger sehr gelitten zu haben und der jüdische Bestandtheil der Weiß'schen Truppe in eine sehr schlimme Lage versetzt worden zu sein. Das Antisemitenblatt schreibt: „Immer judenreiner wurde die Truppe. Einige Juden blieben aber doch bis zum Schluffe; es ging wohl nicht anders. Sehr komisch war es auch anzuhören, wie die einzelnen Juden über die „abscheuligen Kollegen" schimpften. Ein junger Jude Namens Bermann, hatte Aussicht auf ein Engagement in Rußland. Flugs begab er sich zu einem Geistlichen, um sich taufen zu lassen. Nach einigen Unterredungen mit dem Juden