Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- D. C., Berlin
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 243 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 243 daß sie es wider besseres Wissen thun, daß sie nicht nur frivol, sondern auch frevelhaft handeln, ist -kaum abzuweisen. Allerdings sagen Viele, wir glauben ja auch gar nicht, daß die jüdische Religion den Kindermord besiehst oder zuläßt; wir glauben nur, daß bei den Juden ein Aberglauben existiert, der den Gebrauch von Christenblut vorschreibt. Die so sprechen, vergessen nur, daß man gerade Rabbiner und Kultusbeamte dieses Aberglaubens beschuldigt, daß man die Synagoge als die Mord- oder wenigstens Beherbergungsstätten ausgiebt und sich auf angebliche, aber nie näher bezeichnet Stellen im Talmud beruft. Unsere Religion befiehlt uns nichts Schlechtes, und wer schlecht handelt, thut es gegen seine Religion. Und wer Ritnalmord mrt Abendmahl oder Passahfest in Zusammenhang bringt, ist, wenn er nicht eine kolossale Unbildung oder geistige Defekte Nachweisen kann, ein verleumderischer Schurke, ein Verräther seiner Religion, ein Feind seiner Nation und Schänder und Schande seines Vaterlands." •V. A. Berlin. Wenn Jemand, wie es nach der Briefkasten- Aetiz 3c. 33. in der „Staatsbürger-Zeitung" vom 2. April den Anschein hat, wirklich dem. Antisemitenblatt über die Lage der jüdischen Lehrer Mittheilungen gemacht haben sollte, ist dies wohl kaum „ein jüdischer Lehrer gewesen". Es handelt sich übrigens dabei wohl 'nur um einen Aprilscherz! S. M., Berlin. Das schmähliche Inserat „Ein Israelit in den 40 er Jabren wünscht zum Christentum überzutreten. Gefl. Anerb. unter 49 an die Erp.—" soll thatsächlich in dem Augsburger Blatte gestanden haben. Wenn aber die „Staatsbürger-Zeitg." dazu bemerkt: „Die Christen sollen wohl gar noch bezahlen, damit sie ein „intelligentes'* Mitglied ihrer Gemeinschaft einreihen können?" vergißt sie, daß solche Subjekte nicht von „Christen", sondern von „Antisemiten" Anerbietung erwarten, die sich häufig genug der Ueberläufer bedienen, um „unaufstndliche Strafanstaltsgeistliche" über angebliche Sühnemorde zu belehren, Fabrikanten von Ritualmord-Ansichtskarten Zeichnungen von Gebetriemen, Schächtmesser u.dergl. zu liefern u.a.m. „Intelligente" Gejchäftsantisemiten und intelligente 'Geschäfts-Convertiten haben sich zu allen Zeiten auch ohne Inserate leicht zusammengefunden. B. D., Berlin. Wie uns aus Peine berichtet wurde, war unsere Auskunft über F. W. Giesecke in Peine nicht ganz korrekt. Derselbe betreibt eine Schuhfabrik, ist nicht Vorstand, gehört aber zum Vorstand des antisemitischen Vereurs. Seinen jüdischen Geschäftsfreunden wird auch dies genügen.