Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Karlsbad
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 236 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 2o»c> ist, der auch in Folge von Empfehlungen jüdischer Nachbarn von jüdischen Badegästen Karlsbads consultiert wird. Zur Ueber- Lringung des Grußes wird vr. Nagl kaum vollständig berechtigt gewesen sein, da hier kein Antisemitenbund existirt, und selbst die hier hinreichend vorhandenen Antisemiten mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse sich ihrer Parteiangehörigkeit nicht zu rühmen pflegen, vr. Nagl's bester Freund, der mit ihm in Berlin war, ist der auch hier als entschiedener Antisemit bekannte Droguist Wilhelm Etzel, der trotz seiner antisemitischen Gesinnung sich einen großen „polnischjüdischen" Zulauf für Harn-Analysen zu verschaffen gewußt hat. — Bon dem jüdischen Gelde denken diese Antisemiten bekanntlich: „Mn o3et!u UsreirrsKüchrrchteK. fjie Thätigkeit des Centralvereins hat sich in den letzten Wochen ziemlich geräuschlos vollzogen, weil dies unter den obwaltenden Verhältnisien weit nützlicher erschien, als kritische Auseinandersetzungen über Dinge, die meistens noch in der Schwebe sind. Der Centralverein hat zudem bereits eine Größe erreicht, die es überflüssig erscheinen läßt, auch dann von sich reden zu machen, wenn man nicht auf ganze Erfolge verweisen kann, nutzlos zu kämpfen, nur „weil", um mit Schiller zu reden, „einen Sieg der junge Feldherr braucht". Freund und Feind wissen ohnehin, daß der Centralverein allezeit auf der Wacht steht und daß der durch ihn verbreitete Gedanke der dringenden Nothwendigkeit eines Zusammenschlusses aller deutschen Juden zur Abwehr, nicht zum Angriff, auch ohne lärmende Propaganda mehr und mehr werbende Kraft gewinnt. Wie die Dinge liegen, ist es auch nicht einmal mehr von so großer Bedeutung wre ehedem, ob ein von uns ausgehender Strafantrag abgelchnt wird oder nicht, ob ein antisemitischer Redakteur zu einer Geldstrafe verurtheilt wird oder durch eine Hinterthüre der Bestrafung entgeht. Jetzt liegt der Schwerpunkt unserer Bestrebungen west mehr darin, allseitig zum Bewußtsein zu bringen, daß es eine Stelle in Deutschland giebt, von der aus die Vertheidigung des Judenthums, der gesummten jüdischen Glaubensgemeinschaft und jedes wegen seines Glaubensbekenntnisses gekränkten Juden beharrlich ausgeübt wird, daß jede Verletzung der uns durch Verfassung und Gesetz ver-