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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 232

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Saarbrücken
Date
1901-04-01
Page
232 (sequence 1)
Language
German
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282 Im deutschen Reich. Saarbrücken, 2. April. In der Nr. 65 der „Deutsch-Sozialen Blätter" vom 14. März wurde unter der Spitzmarke „Wie der Jude seine Angestellten behandelt" nach einer Mittheilung des „Konfektionär" berichtet, daß in einem Schaufenster des Wronker'schen Waarenhauses eine Ausstellung von Karnevals-Artikeln derart arrangiert sei, daß allabendlich sich zwei jüngere Angestellte abwechselnd als Clown, als Teufel oder als Chinese einen Karnevals-Gegenstand Hochhalten und gleichzeitig auf einem Plakat den betreffenden Preis zeigen. Der „Confektionär" schreibt: „Die Firma erzielt auf diese Weise einen Riesenerfolg, ohne die geringsten Unkosten zu haben, während gleichzeitig durch die Vielseitigkeit in der Bewegungsfähigkeit lebende Figuren allen Automaten in der Welt überlegen sind." Dazu bemerkt das Liebermann'sche Antisemitenblatt: „Es handelt sich um die Firma S. Wronker & Co. zu St. Johann, und darum hat auch der „Confektionär", das Organ aller Confektions-Juden, kein Wort des Misffallens für die Handlungsweise der Firma. Die „Kaufm. Reform" meint dagegen wenigstens: „Wir nehmen an, daß diese beiden Angestellten Laufburschen oder Hausdiener oder engagierte Artisten sind. Handlungsgehilfen geben sich doch zu solchem Reklameunfug nicht her?!" — Die Firma S. Wronker & Co. theilt dagegen mit, sie habe diese Reklame nicht angeregt, sondern hierin dem betreffenden Dekorateur, der evangelischer Konfession sei, völlig freie Hand gelaffen. Von einer schlechten oder guten Behandlung der Angestellten könne dabei keine Rede sein, denn die betreffenden jüngeren Angestellten hätten sich dem Dekorateur freiwillig zur Verfügung gestellt, weil sie an diesem karnevalistischen Reklame-Scherz Gefallen gefunden und die Ausführung desselben ihnen selbst Vergnügen bereitet habe. Man dürfe auch nicht vergessen, bei dem ganzen Reklamescherz auch den Ort in Betracht zu ziehen und zu berücksichtigen, daß in Süddeutschland der Sinn für karnevalistischen Humor viel mehr entwickelt sei, wie im Norden. O Hamburg, 12. April. Daß das Oster-Blutmärchen auch unter der Landbevölkerung unserer Gegenden Glauben finden könne, hätte man früher nicht geglaubt. Dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist auch dieser' „Fortschritt" Vorbehalten geblieben. Am Ostermontag wurde auf der Holmer Feldmark, die sich gegen den holsteinischen Ort Uetersen hin erstreckt, ein scheußlich verstümmelter männlicher Leichnam gefunden. Der Körper war total zerstückelt, Arme ^und Beine gänzlich abgeschnitten, Brust und Leib aufgeschlitzt. Der Ermordete. scheint 18 bis 20 Jahre alt gewesen zu sein; Tätowierungen an den Armen lassen darauf

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