Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Lautenburg i. Westpr. [Nachricht]
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 231 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316681--08073-2327741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Korrespondenzen. 231 I Zertrümmert worden. An dem Hause waren ans „Morde zu Ostern" bezügliche Worte angeschrieben. Der Vorstand der Synagogen-Gelietnbe hat 100 Mark Belohnung demjenigen zuerkannt, der die Thäter lerart bekannt giebt, daß sie gerichtlich belangt werden können. I K Riesenburg i. Westpr., 10. April. Vor dem hiesigen Schöffengerichte hatte sich der jüdische Kultusbeamte Abraham Lewythan ^egen die Beschuldigung zu verantworten, daß er am l9. September p 900 zu Riesenburg bei Gelegenheit eines jüdischen Begräbnisses die Amtstracht der evangelischen Geistlichen unbefugt getragen habe. ^Vegen derselben Anklage hatte sich Herr L. schon einmal am 16. November 1897 zu verantworten. Wie damals, so endete die Sache auch in diesem Falle mit der Freisprechung des Angeklagten unter Übernahme der Kosten auf die Staatskasse. Aus einer dem Gerichtshöfe überreichten Photographie, welche Herr L. in seinem bei Begräbnissen getragenen Ornate (mit umgehängtem Grabmantel) darstellt, gewann derselbe die Ueberzeugung, daß diese Kostünnerung mit der Mlstracht der evangelischen Geistlichen nicht identisch sei. Gegen das freisprecheude Urtheil hat die Staatsanwaltschaft die Berufung eingelegt. Königsberg i. Pr., 11.April. Wie aus Bartenstein berichtet wird, ist die Aufführung des Theaterstückes „Wer war's?" oder „Das Geheimnis» von Könitz", das dort am 9. d. M. gegeben werden sollte, von der Polizei verboten worden. (Auf dem Theaterzettel, welcher uns aus Bartenstein eingesandt wurde, befindet sich die Bemerkung: „In Hamburg, Breslau, Leipzig, Dresden rc. mit durchschlagendem Erfolge aufgeführt." Wir bitten unsere Leser um Mitthcilung, ob das Zensationsstück thatsächlich irgendwo zur Aufführung gelangt ist. Die Redaktion.) & Crefeld, 12. April. Am Ostermontag entstand hier aus unbedeutender Ursache in der Wiedenhofstraße ein Crawall; der jüdische Kaufmann Louis Heimann sah sich genöthigt, dem 17jährigen Sohne des Zahntechnikers Buschmann, welcher sich als Antisemit gebärdet, ohne freilich deswegen seine jüdische Kundschaft einzubüßen, einen körperlichen Denkzettel zu geben. Der hoffnungsvolle Jüngling hatte dein zweijährigen Kinde Heimanns ein Stückchen Brod geschenkt, von dem er sodann, mit Recht oder Unrecht, höhnisch behauptete, es sei in ekelerregender Weise vorher besudelt gewesen. Das Crefeldcr Antisemiten- Blatt suchte aus der Sache Capital gegen Herrn Hej^rann zu schlagen; die Polizei und alle verständigen Menschen erblickten aber in deffen Vorgehen nur erlaubte Selbsthilfe.