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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 230

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Konitz
Date
1901-04-01
Page
230 (sequence 2)
Language
German
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230 Im deutschen Reich. dahin, das erste Urtheil vom 20. Juli v. I. aufrecht zu erhalten. — Das Verfahren gegen die Familie Rosenthal in Kamin i. Westpr., welche sich unter dem Verdachte der Anstiftung zum Meineide in Untersuchungshaft befand, ist am 27. Marz durch Beschluß des Konitzer Gerichts eingestellt und sind sämmtliche vier Angeklagte auS der Haft entlassen worden. Josef Rosenthal sollte sich nach den Aussagen seines Dienstmädchens aufgehängt haben, weil ihn die Gewissensbisse wegen des an Winter verübten Mordes nicht länger leben ließen. Diese von R. angeblich zu seiner Frau gethane Aeußerung wollte das Mädchen gehört haben: außerdem behauptete dasselbe, auch gesehen zu haben, wie R. am Nagel in einer Ecke des- Zimmers hing und wie ihn sein Bruder losschnitt. Rosenthal bestritt die ganze Geschichte, aber es fand sich noch eine Zeugin, die schwachsinnige Frau Co per, eine entfernte Verwandte der Nosenthalschen Familie, die von der-selben bisher unterstützt worden. ist. Diese Frau Coper erklärte, dieselbe Erzählung ebenfalls von der kleinen Tochter des R. gehört zu haben. Angeblich seien dann auch Versuche gemacht worden, das Zeugniß der Coper zu beeinflussen. Diese Behauptungen genügten, um vier Mitglieder der Nosenthalschen Familie in Untersuchungshaft zu behalten, aus der sie erst jetzt nach vollen sechs Monaten entlassen worden sind. Die Untersuchung hatte ergeben, daß das Dienstmädchen blödsinnig, und daß in der Stube kein Platz zu finden ist, auf den ihre Erzählung passen könnte. Und dabei ward das antisemitische Komitee in Könitz nicht müde, die Behörden einer sonst unbemerkten Vorliebe für die jüdische Bevölkerung zu bezichtigen. — Daß die antisemitische Hetzerei mit ungeschwächten Kräften in Könitz fortgesetzt wird, beweist ein Aufruf, den das Komitee für ein dem unglücklichen Ernst Winter zu errichtendes Denkmal, aller, dings nur mit der Unterschrift seines Schatzmeisters Herrn Kunstlischlcr Wiwjorra, veröffentlicht. Der Aufruf beklagt, daß bisher nur 400 9M. „zu einem würdigen Grabstein für den durch einen Schächtschnntt getödteten Ernst Winter" zusammengekommen seien. Es fehle dcnzu noch viel Geld. Deshalb sollen die antisemischen Freunde des Herren Wiwjorra „recht kräftig in die Tasche greifen", denn Herr W. will im" bevorstehenden Sommer am Begräbnißtage des Ernst Winter den Grabstein fetzen lassen: „Den Mördern zur Warnung — den Christen zur Wahrung ihrer theuersten Güter!" Daß die in den bisherigen Prozessen abgegebenen medizinischen Gutachten der Annahme eines „Schächtschnittes" entgegenstehen, verschweigt der Aufruf. □ Lautenburg L Westpr.,. 1. April. Sämmtliche Fensterscheiben der hiesigen Synagoge sind in der Nacht zum 26. März

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