Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Oppeln, 2. April
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 228 (sequence 2)
- Language
- German
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228 Jrn^deutschen Reich. Mädchens, theils an den Gemeindevorstand ihres HeimaLhsdorfes Wollentfchin gerichtet waren, verfolgen augenscheinlich nur den Zweck, Sensation zu erregen!" — Die Behörden fahnden eifrig nach dem Schreiber der Briefe, die offenbar sänuntlich von einer Hand herrühren. Die amtliche Bekanntmachung im „Rosenberger Kreisblatt", welches dieselben „'authentischen Mittheilungen" wie die „Oppelner Nachrichten" veröffentlicht, schließt mit den Worten: „Hoffentlich gelingt es der eingeleiteten Untersuchung, dieser Persönlichkeit bald habhaft zu werden, um sie wegen ihres unsauberen Treibens zur gerichtlichen Verantwortung zu Ziehen." Vrornberg, 18. April. An der hiesigen höheren Mädchenschule ist ein jüdischer Lehrer, Dr. Friedland aus Frankfurt a. M. angestellt worden. Derselbe wurde von der Schuldeputation vorgeschlagen, vom Magistrat einstimmig gewählt und, nachdem die Bestätigung durch das König!. Provinzial-Schulkollegium erfolgt war, heute in sein Amt eingeführt. X Danzig, 6. April. Die „DanZiger Zeitung" veröffentlicht eine Erklärung von „Bürgern Neustadts in Westpreußen, welche den konfessionellen Frieden wünschen". Dieselbe lautet: „In Nr. 17 des „Westpr. Volksblattes" wird behauptet, die Kaufleute Rojenthal und Lewinnek von hier hätten aus Anlaß der Gedenkfeier am 18. Januar d. I. als Vertreter der jüdischen Gemeinde den Gottesdienst in der protestantischen Kirche besucht. Der Artikel knüpft daran eine ganze Serie hetzerischer Bemerkungen. Nichtig ist, daß die genannten beiden Herren, die dem Stadtverordnetenkollegium angehören, der von der Stadtschule veranstalteten Festfeier als eingeladene Gäste beiwohnten und dann in Gemeinschaft mit dem Herrn Bürgermeister, dem Herrn Beigeordneten und mehreren Stadtverordneten auch die evangelische Kirche betraten. Jeder verständige Mensch wird hierin durchaus nichts Auffälliges erblicken, im Gegenthcil könnte man die Toleranz der genannten Herren rühmend hervorheben, die keinen Anstand nahmen, aus Anlaß der patriotischen Festlichkeit in Gemeinschaft mit ihren Kollegeu vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung auch eine christliche Kirche zu besuchen. Man wird sich aber allgemein darüber wundern,'daß ein Korrespondent des „Westpr. Volksblattes", welches am wenigsten dazu berufen ist, die angeblich verletzten Gefühle der hiesigen Evangelischen zum Ausdruck zu bringen, diese Angelegenheit bespricht nnd den Artikel mit Glossen versieht, welche bie Absicht des Verfassers genügend erkennen lassen. Wir leben hier mit unseren jüdischen Mitbürgern, Gott sei Dank, in Frieden und ersprießlichem Verkehr, den aufrecht