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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Bitterfeld, 13. April
Date
1901-04-01
Page
227 (sequence 1)
Language
German
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227 Korrespondenzen. H LiLLerfeld, 13. April. Der hier wohnhafte Geschäftsführer des „Bundes der LandwirLhe" für die Provinz Sachsen, Bruno Kreuz, ist kurz vor Ostern plötzlich aus Bitterfeld verschwunden. Es hieß, er habe 8000 bis 10,000 ihm anvertrauter Gelder mit auf die Reise genommen. Am 11. d. Mts.- hat man ihn in Halle verhaftet. *X< Vreslau, L April. In fcei Generalversammlung des Liberalen Vereins der hiesigen Synagogen-Gemeiude wurde von einem selbstständigen Vorgehen wegen der bekannten Erklärungen des Justizministers abgesehen, weil der Gemeindevorstand diese Angelegenheit bereits in die Hand genommen hatte. Der Liberale Verein beschloß, dem Gemeindevorstande für die Vertretung der Jnteresien der Glaubensgenossen durch die Petition an den Reichskanzler den Dank auszusprechen. > Oppeln, 2. April. Auch in. Rosenberg in Oberschlesien haben Antisemiten versucht, ein Ritualmord-Märchen zu verbreiten. Vor einiger Zeit ist in einem Wäldchen b'ei Wollentschin die Leiche der seit dem 27. Januar verschwundenen Dienstmagd Marie Bensch in erfrorenem Zustande aufgefunden worden. Da die Leiche im Gesicht zwei große Wunden aufwies, verbreitete sich, veranlaßt durch anonyme Briefe, das Gerücht, an der Bensch sei ein Ritualmord verübt und die Leiche nach der That an die Fundstelle verschleppt worden. Von „zuständiger Seite" wurden darauf den „Oppelner Nachr." über den Leichenfund folgende „authentische Mtttheilnngen" gemacht: „Rach dem Ergebnis; der im Beisein des Ersten Staatsanwalts stattgehabten Leichenöffnung ist ein Mord und insbesondere ein Ritualmord vollständig ausgeschlossen, da am ganzen Körper keinerlei Spuren äußerer Gewalt zu konstatircn gewesen sind. Zwei ziemlich große Stellen im Gesicht, an denen das Fleisch fehlte, rührten offenbar vom Benagen durch Thiere nach dem Tode her. Daß sie nicht zu Lebzeiten des Mädchens entstanden waren, geht schon daraus hervor, daß sie keinerlei Biutreaktion.zeigten. Der Tod ist, wie die Aerzte annehmen und nach der ganzen Sachlage nicht-zweifelhaft sein kann, durch Erfrieren hcrbeigeführt. Nach der Beschaffenheit der Leiche, welche derart gefroren war, daß sie erst ein bis zwei Tage hindurch künstlich aufgethaut werden mußte, ehe sie entkleidet und untersucht werden konnte, liegt auch kein Grund vor, zu bezweifeln, daß sie bereits seit dem Tage des Verschwindens (27. Jannar) dort gelegen habe. Die unverkennbar alle von derselben Hand herrührenden anonymen Briefe, welche auffallender Weise nicht an die zunächst zuständigen Stellen (Polizei oder Staatsanwaltschaft), sondern an die Dienstherrschaft des

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