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Im deutschen Reich · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. 173

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
Kassel
Date
1901-03-01
Page
173 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 173 -zeucht zu Bad Wildlingen in der Civilprozeßsache Katz gegen Ludwig, den vor seiner Vernehmung als Zeuge geleisteten Eid durch ein falsches Zeuguiß wissentlich verletzt zu haben. Der Erste Staatsanwalt v o n D i t f u r t h bezeichnete die Schuld Hirschbergs als hinreichend erwiesen und beantragte demgemäß, den Angeklagten des wissentlichen Meineids schuldig zu erkennen. Rechtsanwalt Levie wies dagegen auf das Lückenhafte der Beweisaufnahme, die Widersprüche der Belastungszeugen, sowie vor allem darauf hin, daß Hirschberg unbescholten sei, sich des besten Leumunds erfreue, namentlich aber auch darauf, daß es an jedem Motiv für den in guten Verhältnissen lebenden Angeklagten fehle, ein solch' schweres Verbrechen wie Meineid zu begehen. Er plädierte daher nachdrücklichst für Nichtschuldig. Der Erste Staatsanwalt v. Ditfurth ersuchte die Geschworenen noch besonders, sich bei Beurthcilung des Falles nicht etwa von zeitgemäßen Strömungen beeinflussen zu lassen, weil der Angeklagte Jude sei. Für den Wahrspvuch kämen keinerlei confessionelle Erwägungen in Betracht, sondern nur Würdigung der Thatmuftände des lLchuldmomentes. Nach Replik und Duplik zwischen Staatsanwalt und Vertheidiger, sowie Rechtsbelehrung des Präsidenten zogen sich die Geschworenen zur Berathung zurück, um nach einer halben Stunde ein Nichtschuldig zu verkünden, worauf der Angeklagte kostenlos freigesprochen wurde. — Fürwahr, ein trauriges Zeichen der Zeit, daß der Vertreter der Anklagebehörde derartige Mahnungen an die Geschworenen zu richten für nöthig hält! fr Frankfurt a» M., 15. März. In einer vom Deutschen Verein einberufenen Versammlung in Frankfurt a. M., hielt der Geschäftsführer der Deutsch-soc. Reformpartei Dr. Giese-Berlin im vollbesetzten großen Florasaal einen Dortrag über „Die bürgerliche Freiheit nach deutscher und jüdischer Auffassung". Den Vorsitz führte Redakteur Hirschel-Offeubach. vr. Giese sagte u. A.: „Wollen-wir uns nicht unter das jüdische Joch beugen, so müssen wir für dieses Ausnahmevolk, auch Ausnahmegesetze schaffen. Wir müssen dahin streben, daß kein Jude mehr Richter, Rechtsanwalt oder Arzt werden könne, das sei durch Reichsgesetze zu machen. Aber wir müssen noch weiter gehen, es genügt nicht, die Juden von den obrigkeitlichen Aemtern auszuschließen, sondern wir müssen sie ganz und gar ausschließen. „Hinaus mit ihnen aus Deutschland" muß die Parole sein! Es muß zur Revolution kommen; wenn es so weiter geht; diese wird sich dann wohl nicht nur gegen die'Juden wenden, sondern auch gegen die sie beschützenden regierenden Kreise. Die Aufgabe des Antisemitismus, alle Stände im Reiche zu versöhnen,(!)

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