Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Arnswalde
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 169 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 169 l Arnswalde, 6. März. Im hiesigen Schützenhause sprach am ]3. d. Mts. vor einer Versammlung von über 1000 Personen Ahlttjarbt über „Erlebnisse in Könitz und Transvaal." Sein langes Fernbleiben entschuldigte er damit, daß er um seine Existenz habe ringen müssen, bis er durch Hilfe eines Beamten im Oberbergamte zu Dortmund einen noch nicht ausgebenteten Berg ausfindig gemacht habe, und nun so gestellt sei, daß er seine Schulden bezahlen könne und Vorträge gegen Eintrittsgeld nicht mehr zu halten brauche. Außerdem sei seine Anwesenheit im Reichstage jetzt noch zwecklos, da er keine Anhänger habe. Zum größten Theile befänden sich doch die Parteien im Banne der Juden. Darauf sprach er über Könitz, Transvaal und die politische Lage Deutschlands im Allgemeinen, erörterte auch den Ritualmord, den es nach seiner Auffassung ganz bestimmt gebe. Zum Schluß bemerkte er,- daß, wenn er erst im Kreise ansässig sei, er die Nachbarkreise, zunächst den des Frhrn. v. Wangenheim, bereisen und bis zur nächsten Reichstagswahl mindestens acht Wahlkreise für seine Gesinnungsgenossen erobern werde. S Danzig, 5. März. Der Redakteur Waldemar Mattiat in Thorn und das geschästsführende Mitglied der Direktion der Akt.- Gesellschaft „Danziger Allg. Ztg.", Emil Brunzen, sind heute von dem hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung der Kläger Louis Liechenheim und Louis Katz zu je 20 Mk. Geldstrafe verurtheilt wurden.. Den Klägern wurde außerdem das Recht der Unheilspublikation zugesprochen. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß in dem Artikel der „Danz. Allg. Ztg." vom 16. Sept. v. Js. die Absicht der Beleidigung aus der Form und den Umständen gefolgert werden müsse, sich insbesondere aus den Ausdrücken „Ein Akt großer Rohheit" und-„roher Mensch" sowie „Ramschbazar" ergebe. Auch sei aus dem Ausdruck „jüdischen Angestellten";u schließen, daß den Klägern etwas Unangenehmes gesagt werden sollte. < Komtz, 10. März. Ueber die Vorgänge bei der Verurtheilung Moritz Levys äußerte sich der christliche Schriftsteller R. Elcho in der „Volks-Zeitung" wie folgt: „Als der Angeklagte verzweifelt Gott zum Zeugen anrief, daß er unschuldig sei, antwortete ihm ein Gelächter der den Gerichtssaal dicht füllenden Menge. Dieses Gelächter erscheint mir als das Schauerlichste in der Konitzer Gerichtstragödie, und es beweist, daß die Rohheit jo unausrottbar ist, wie der Aberglaube. Holter erzählt in seinen Memoiren, daß er als Knabe in Breslru gesehen habe, wie ein Weib aufs Rad gestochten wurde. Dabei habe ihn nicht so sehr das Jammern der Leidenden mit Entsetzen erfüllt, als das Lachen zweier Dienstmädchen, die in der Menschen«