Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- E. A. Hamburg
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 108 (sequence 2)
- Language
- German
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108 Im deutschen Reich. Kaufmännische Reform: Sie veröffentlichen folgende Anfrage: Am 1. Januar engagierte ich einen jungen Mann, der bisher bei einer mir befreundeten Firma Lhätig gewesen ist. Der Inhaber theilt mir heute mit, daß mein neuer Commis Mitglied des Deutschnation alert Verbandes ist und es gewagt hat, in die von ihm expedirten Kartons Zettel mit der Devise zu kleben: Kauft nicht bei Juden! Leider hat es mein Freund erst entdeckt, nachdem er dem jungen Manne empfehlen^ zur Seite gestanden hat. Wir beide sind Juden. Ich möchte nun wissen,! ob ich unter solchen Umstanden zur sofortigen Entlassung des jungen! Mannes berechtigt bin, noch ehe er etwa bei meiner Kundschaft dasselbe! Manöver ausgesührt hat." Wir ersuchen Sie, uns den Namen des be^ treffenden Gehülfen mitzutheilen, damit wir gegen denselben vorzugehen! in der Lage sind, falls sich der Vorfall der Schilderung gemäß zugetragen hat. Wir würden wünschen, daß der Name des Helden genannt würde. Freilich seht er nur das in die Praxis um, was in der Theorie fortgesetzt im „Deutsch-nationalen Verband" unter der Leitung des Antisemiten Schack gepredigt wird. L. H., Braunschweig. Die antisemitische Presse hat bei der „Rennwolf-Tnnkgeld-Affaire" aus der Mücke einen Elephanten gemacht. Thalsächlich enthielt der „Tägliche Anzeiger für die Stadt Holzminden und Umgegend" nachstehendes bezahltes Inserat: „Danksagung. Herr Kaufmann P. Friedländer, welcher am Freitag mit seinem Nennwolfe in dem unteren Teiche, außerhalb der Eisbahn des Männer-Turnvereins, eingebrochen war; hat mir für seine von mir bewirkte Rettung 20 Pfennig überwiesen, wofür ich Herrn Friedländer an dieser Stelle meinen Dank, abstaite. H. Reese', Bahnmeister der Eisbahn des Männer-Turnvereins". — Friedländer, der mit seinem Rennwolf an einer völlig seichten Stelle eingebrochen war, wo Reese ohne Mühe und Gefahr ihm heraushelfen konnte, hatte den Bahnmeister gebeten, ihm seinen Rennwolf nach Hause zu bringen. Für diese kleine Gefälligkeit, nicht für eine ihm gar nicht erinnerliche Lebensrettung, zahlte Friedländer ein Trinkgeld, dessen Kleinheit ihm auch nicht im Augenblicke klar war. Er selbst berichtete darüber der „Staatsbürger-Ztg.": „Mit einer Hauslampe stand ich in meinem Geschäftslokal und leuchtete dem Schloffergesellen, der mit dem Auftauen der.Gasuhr beschäftigt war. In diesem Augenblicke trat Reese in den Laden, um sich ein Geschenk abzuholen. In der Dunkelheit griff ich in meine Tageskasse und gab dem Herrn zwei einzelne Geldstücke". — Um die Lebensrettungs-Medaille dürste der trinkgeldsuchende Bahnmeister bis jetzt noch nicht eingekommen sein. S. L. Leipzig. Die „Deutsch-Sozialen Blätter" schreiben: „Blutgeld im wahren Sinne des Wortes ist es. was die Gründer