Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
München
Date
1901-02-01
Page
100 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316679--07821-2327383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 Im deutschen Reich. Nachdem so die Könige sich uns vorgestellt, erinnern sie sich, was ihr eigentliches Ziel ist. Und da sie gehört, daß der König aller Könige in einem Stalle zu suchen sei, kommen sie zu dem Schluß: Doch da wir werthe Herren und Frauen Hier keine Ochsen und Esel schauen, So sind wir wohl nicht am rechten Ort Und ziehen uns'res Weges fort." — Das Künstlerhaus ist nicht umsonst an die Synagoge angebaut, es wird auch von Synagogenbesuchern stark frequentiert. Professor Lenbach, der beim Bau des Hauses eine tolle Verschwendung trieb, brauchte Geld — darum die vielen jüdischen Patronatsherren."" — Wenn die Antisemiten den Juden keine anderen Unarten in die Schuhe schieden können als — Goethe's humorvolles Gedicht „Epiphanias", welches die Münchener Künstler bei ihrem hannlos-heiteren Faschings - fest in Scene setzten, so dürften sie eigentlich ihr Handwerk aufgeben! Verrmsnachrichterr. Üt*ft unmittelbar, nachdem das preußische Abgeordnetenhaus dem durch die höhnische Einschaltung von zwei kleinen Worten zu einem Vertrauensvotum für den Justizminister umgemodelten Antrag Barth mit erdrückender Mehrheit zugestimmt hat, um die Juden zu Bürgern zweiter Klasse herabzudrücken, von einzelnen erfreulichen kleinen Erfolgen in dem großen Kampfe um's Recht zu sprechen, könnte nur verstimmend wirken. Nichts wäre gefährlicher, als in einem Augenblick, in welchem, um mit Uhland zu reden,- „die Volksgeschichte den Griffel wartend hebt", sich noch einem trügerischen Optimismus hinzugeben und den tiefen Ernst der Lage zu verkennen. Ebenso wenig ist aber Grund vorhanden, Diese Lage als eine verzweifelte anzusehen, denn was die letzten Wochen gebracht haben, war eigentlich unschwer vorauszusehen. Die nackte Reaktion auf sozialem und politischem Gebiete mußte sofort an's Tageslicht treten, wenn an dem nur lose sitzenden Umhang der „papiernen" Gleichberechtigung auch nur mit Leiser Hand gerührt wurde. Das Judenthum steht deshalb nicht schlechter da als vorher, sobald seine Bekenner es nicht selbst verleugnen; sein Rechtsanspruch auf Gleichberechtigung in einem Kulturstaat ist unveräußerlich und nicht von politischen Strömungen, nicht von Zuneigung und Abneigung wankelmüthiger Massen abhängig. Es mag jeden Juden zunächst schmerzlich berühren, wenn von.autori-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.