Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / Loewenstein, Paul
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 64 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Es ist sehr zu beklagen, daß der zuerst genannte kleine Verein eim Flagge führt, die zu Verwechselungen mit dem vornehmen großer Verein Anlaß geben muß. Ich gehöre seil vielen Jahren dem „Deutschen Thierschutzverem zu Berlin" als Mitglied an und kann nur sagen, daß er die edle Sache echter Menschlichkeit in vornehmer und sympathischer Weise vertritt. Die Tendenz des Thierschutzes ist die Humanität, und mit dieser läßt sich Antisemitismus ebensowenig vereinigen wie Thierquälerei. Speziell in der Schächtfrage hat das Organ des Vereins „Ibis" stets vine absolut tadellose, unparteiische, geradezu wohlthuende Haltung bewahrt. Berlin W. Paul Loewensteiu. Im Anschluß hierin theilen wir mit, daß das Rabbrnat der Berliner jüdischen Gemeinde an die Mitglieder der letzteren ein mit unseren wiederho.ten Mahnungen völlig übereinstimmendes Rundschreiben versandte, in dem es u. a. heißt: „Seitens des „Berliner Thierschutz-Vereins" wird, wie wir erfahren, an die Mitglieder unserer Gemeinde ein Eirkularjchreiben versandt, in welchem das beleidigende Ansinnen gestellt wird, in öffentlicher Erklärung ein Verbot unseres rituellen Schlachtverfahrens, des Schachtens, gutzuheißen und zu fordern.. Die Herren Dr. Langmann und Behringer erachten sich auch befugt, unseren Gemeindemitgliedern über die religiöse Verbindlichkeit der Schächtverschriften Lehren zu ertheilen. Indem wir gegen diese Anmaßung nachdrücklich Verwahrung einlegen, weisen wir darauf hin, daß in einer vor mehreren Jahren durch den Druck bekannt gewordenen .Erklärung -mit uns ausnahmslos alle Rabbiner Deutschlands ohne Unterschied der religiösen Richtung die unverbrüchliche Verbindlichkeit jener Vorschriften betont haben. Gegenüber dieser ,einmüthigen Kundgebung hat der Thierichutz-Verein nur das völlig vereinzelte Gutachten des verstorbenen Rabbiners Leopold Stein anzyführeu gewußt. Aber selbst dieser würde einem zwangsweisen Verbote des Schachtens, das thatsächlich einer schweren Gewissensbedrückung vieler Tausende von Glaubensbrüdern gleichkäme, niemals das Wort geredet haben. Wir geben der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß kein Mitglied unserer Gemeinde zu der vom Vorstände des Thierschutz-V^reins geplanten Gewissensknechtuug seine Zustimmung ^rtheilt hat. Sollte dies auH Unkenntlich des Sachverhalts dennoch geschehen sein, so mahnen wir an die Pflicht und bitten zugleich, die Unterschrift schleunigst zurückzuziehen und jede wie irgend geartete Benutzung derselben"auf das Nachdrücklichste zu verbieten." _ _ _a_; Für die Redaktion verantwortlich: Alphonse Levy, Berlin.